Vollkommene Kadenz
Authentische Kadenz mit Tonika im Sopran und Bass.
Was es bedeutet
Die vollkommene Kadenz ist die stärkste Form des authentischen Schlusses. Drei Bedingungen gehören dazu: Die Dominante führt zur Tonika, D–T (V–I); beide Akkorde stehen in Grundstellung; und im Schlussakkord liegt der Grundton der Tonika sowohl im Bass als auch in der Oberstimme. Wenn alle drei erfüllt sind, wirkt der Schluss endgültig.
Musikalische Verwendung
Jede der drei Bedingungen trägt zur Schlusskraft bei. Die Verbindung von Dominante und Tonika liefert die Leittonspannung und ihre Auflösung. Die Grundstellung beider Akkorde lässt den Bass im Quintfall springen, die stärkste Bassbewegung überhaupt. Der Grundton in der Oberstimme schließt auch die Melodie ab, sodass nichts offenbleibt.
Fehlt eine dieser Bedingungen, wird der Schluss schwächer. Liegt im Schlussakkord die Terz oder die Quinte oben, oder steht einer der Akkorde in Umkehrung, spricht man von einer unvollkommenen Kadenz. Diese Abstufung ist ein wichtiges Mittel der Formgliederung: Unvollkommene Schlüsse gliedern innerhalb eines Abschnitts, der vollkommene beschließt ihn oder das Stück.
Die Oberstimme erreicht den Grundton in der Regel schrittweise — vom Leitton aufwärts oder von der zweiten Stufe abwärts. Häufig geht dem Schluss ein Kadenzquartsextakkord voraus, der die Dominante verzögert.
die Begriffe in den Lehrwerken nicht einheitlich verwendet werden; teils wird „vollkommen" nur auf die Oberstimme bezogen, teils auf alle drei Bedingungen.
Die vollkommene Kadenz gilt als stärkste Schlusswirkung der tonalen Musik: Beide Außenstimmen landen auf dem Grundton, der Bass mit Quintfall, die Oberstimme meist mit Leitton oder Sekundschritt abwärts. Die Unterscheidung hilft bei der Formanalyse, weil Satzenden fast immer vollkommen schließen, Binnenzäsuren dagegen oft nicht. ## Spielpraxis
Führe die Oberstimme bewusst in den Grundton und den Bass in den Quintfall. Nimm den Schlussakkord ruhig und intoniere ihn sorgfältig; in einem vollkommenen Schluss fällt jede Abweichung auf. Und spare diese Schlussform für die Stellen auf, an denen die Musik tatsächlich endet.