Cluster
Sekundenakkord aus eng beieinander liegenden Tönen.
Was es bedeutet
Ein Cluster — englisch für Traube oder Büschel — ist ein Zusammenklang aus dicht beieinanderliegenden Tönen, meist in Sekundabständen. Anders als ein gewöhnlicher Akkord, dessen Töne in Terzen geschichtet sind und einzeln wahrnehmbar bleiben, verschmelzen die Töne eines Clusters zu einer Klangfläche, in der die einzelnen Tonhöhen weniger zählen als Umfang, Dichte und Lage.
Im Notenbild
Cluster werden auf zwei Arten notiert. Entweder werden alle beteiligten Töne einzeln geschrieben, was bei großer Ausdehnung unübersichtlich wird; oder es wird ein Balken beziehungsweise ein ausgefüllter Block zwischen dem tiefsten und dem höchsten Ton gezeichnet, dem sich entnehmen lässt, dass alle dazwischenliegenden Töne gemeint sind. Ob nur weiße, nur schwarze oder alle Tasten gemeint sind, wird am Klavier durch Zusatzzeichen angegeben. Die Schreibweise ist nicht einheitlich, und Ausgaben erläutern ihre Zeichen meist im Vorwort.
Musikalische Verwendung
Als bewusstes Klangmittel ist der Cluster eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts, in der die Klangfarbe zu einem eigenständigen Gestaltungsparameter wurde. Am Klavier wird er mit der flachen Hand, der Faust oder dem Unterarm angeschlagen; im Orchester entsteht er durch die Verteilung eng benachbarter Töne auf viele Instrumente und kann durch allmähliches Hinzufügen oder Wegnehmen von Tönen wachsen und schrumpfen.
Abzugrenzen ist der Cluster vom Akkord mit hinzugefügten Tönen, etwa der sixte ajoutée oder dem Nonenakkord: Dort bleibt ein terzgeschichteter Grundklang erkennbar, dem einzelne Töne beigemischt sind; beim Cluster fehlt dieser Rahmen.
Als bewusst eingesetztes Klangmittel wurde der Cluster im frühen 20. Jahrhundert eingeführt: Charles Ives schrieb schon vor 1910 „Group Chords“ (Scherzo: Over the Pavements, 1906–07), Henry Cowell verwendete den Cluster systematisch (The Tides of Manaunaun, 1917) und schlug Tastengruppen mit Faust oder Unterarm an. In der Klangflächenmusik der 1960er Jahre wurde er zu einem zentralen Material, etwa in Ligetis Atmosphères (1961) und Pendereckis Threnody to the Victims of Hiroshima.
Spielpraxis
Beachte bei Clustern vor allem die Grenzen — den tiefsten und den höchsten Ton — und die angegebene Tastenart; innerhalb dieses Rahmens zählt der gleichmäßige Anschlag. Schone beim Anschlagen mit Hand oder Arm das Instrument und dich selbst: Gewicht statt Schlag. Und höre auf die Klangfläche, nicht auf einzelne Töne.