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Harmonik

Ellipsis

Auslassen der eigentlich erwarteten regulären Auflösung einer Dissonanz; die Harmonie geht stattdessen einen anderen Weg.

Was es bedeutet

Die Ellipsis bezeichnet in der Harmonielehre das Auslassen der regulär erwarteten Auflösung einer Dissonanz oder eines Spannungsklangs. Statt zur erwarteten Zielharmonie fortzuschreiten, wendet sich die Musik einer anderen, oft überraschenden harmonischen Fortsetzung zu, wodurch die erwartete Auflösung elliptisch, also verkürzt oder ausgelassen, übersprungen wird.

Musikalische Verwendung

Die Ellipsis dient Komponisten als Mittel, harmonische Erwartungen bewusst zu durchbrechen und dadurch Überraschung, Spannung oder eine unerwartete Wendung zu erzeugen, etwa wenn eine Dominante nicht zur erwarteten Tonika, sondern zu einem entfernten Akkord fortschreitet. Besonders in der Musik der Romantik und Spätromantik wird die Ellipsis genutzt, um die tonale Ordnung geschmeidig zu erweitern, ohne sie vollständig aufzugeben.

Abzugrenzen ist die Ellipsis vom Trugschluss, der zwar ebenfalls eine erwartete Auflösung vermeidet, dabei aber typischerweise auf eine bestimmte, klar definierte Ersatzharmonie wie die sechste Stufe ausweicht, während die Ellipsis offener ist und zu ganz unterschiedlichen, auch entlegenen Klängen führen kann. Von einer bloßen Modulation unterscheidet sich die Ellipsis dadurch, dass sie sich auf einen einzelnen, konkreten Auflösungsschritt bezieht, statt einen längeren Tonartwechsel zu beschreiben.

Spielpraxis

Höre beim Analysieren eines Werkes gezielt auf Stellen, an denen eine Spannungsharmonie entsteht, und achte darauf, ob die erwartete Auflösung tatsächlich erfolgt oder ob die Musik elliptisch einen anderen Weg einschlägt. Beim eigenen Musizieren hilft es, solche elliptischen Wendungen klanglich bewusst hervorzuheben, etwa durch eine kleine Agogik oder dynamische Betonung, um die überraschende harmonische Wendung für Zuhörende erlebbar zu machen.