Harmonik
System der Akkordverbindungen.
Was es bedeutet
Harmonik bezeichnet die Lehre vom Zusammenklang und von der Verbindung der Klänge untereinander. Sie fragt nicht nur, wie ein Akkord gebaut ist, sondern vor allem, wie Akkorde aufeinanderfolgen: welche Verbindungen ein Ziel haben, welche offen bleiben, wie Spannung entsteht und wie sie gelöst wird. Damit ist sie neben Melodik und Rhythmik eine der drei Grunddimensionen der Musiklehre.
Musikalische Verwendung
Das tonale System beruht auf einem Gefälle. Die Tonika (I) ist der Ruhepunkt, die Dominante (V) zielt mit ihrem Leitton auf sie, die Subdominante (IV) führt von ihr weg und bereitet die Dominante vor. Aus dieser Ordnung ergibt sich die Kadenz, aus der Kadenz die Gliederung eines Satzes: Halbschlüsse lassen offen, Ganzschlüsse schließen ab, Trugschlüsse täuschen einen Schluss an und führen weiter. Zwischendominanten richten dasselbe Gefälle vorübergehend auf eine andere Stufe, Modulationen verlegen das Zentrum ganz.
Historisch ist diese Ordnung eine Entwicklung: Die Mehrstimmigkeit des Mittelalters entsteht aus der Führung von Stimmen, nicht aus Akkordfolgen; erst mit dem Generalbass des Barock rückt der Zusammenklang selbst in den Mittelpunkt. Im 19. Jahrhundert dehnt zunehmende Chromatik das System bis an seine Grenzen, im 20. treten andere Ordnungen daneben — Modalität, Quartenharmonik, Pandiatonik, freie Klangflächen.
Abzugrenzen ist die Harmonik vom Kontrapunkt, der dieselbe Musik von den einzelnen Stimmen her betrachtet. Beide Sichtweisen beschreiben denselben Satz.
Weitere Bezeichnungen
Harmonie wird teils gleichbedeutend, teils enger gebraucht: für einen einzelnen Zusammenklang oder für das Gefühl des Wohlklangs. Daneben bezeichnet Harmonie auch ein Bläserensemble, die Harmoniemusik. Harmonik meint dagegen die Gesamtheit der Zusammenklänge und ihrer Verbindungen in einem Stück oder Stil, Harmonielehre die Lehre davon.
Spielpraxis
Analysiere ein Stück, bevor du es einstudierst: Wo liegen die Kadenzen, wo wechselt die Tonart, welche Stelle ist der harmonische Höhepunkt? Das entscheidet über Phrasierung und Dynamik mehr als jede eingetragene Angabe. Spiele die Harmonien einmal als schlichte Akkordfolge ohne Figuration — der Bau des Satzes wird dabei unmittelbar hörbar.