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Theorie

Exclamatio

Barocke musikalische Figur der Rhetorik, die einen Ausruf durch einen auffälligen Sprung oder eine markante melodische Wendung ausdrückt.

Was es bedeutet

Die Exclamatio, lateinisch für „Ausruf“, ist eine Figur der musikalischen Rhetorik. Sie überträgt den Ausruf der Rede in Musik: Die Melodie macht einen auffälligen Sprung oder eine markante Wendung und hebt damit ein Wort oder einen Gedanken als Ausruf hervor.

Musikalische Verwendung

In der Figurenlehre des Barock wurden musikalische Wendungen nach dem Vorbild der Redekunst benannt und mit bestimmten Ausdrucksgehalten verbunden. Die Exclamatio steht für Ausdrücke wie Freude, Schmerz oder Erstaunen und begegnet vor allem in Vokalmusik, wo sie zu Textstellen mit Ausrufen wie „O!“ oder „Ach!“ passt. Häufig wird sie durch einen Aufwärtssprung, oft eine Sexte, ausgeführt.

Abzugrenzen ist die Exclamatio von der Suspiratio, die durch Pausen einen Seufzer nachbildet, und vom Passus duriusculus, der Schmerz durch chromatische Schritte ausdrückt. Nicht jeder große Sprung ist eine Exclamatio; entscheidend ist der Bezug zu einem ausrufartigen Textinhalt.

Spielpraxis

Erkenne beim Studium barocker Vokalmusik solche Sprünge und frage dich, welches Textwort sie betonen. Gestalte den Sprung dann bewusst: Lass ihn mit Impuls, aber ohne Härte erklingen, und setze auf dem Zielton einen erkennbaren Akzent.