Große Sexte
Neun Halbtöne, die Umkehrung der kleinen Terz.
Was es bedeutet
Die große Sexte umfasst neun Halbtöne und entsteht durch Umkehrung der kleinen Terz: Legt man den unteren Ton einer kleinen Terz eine Oktave höher, ergibt sich eine große Sexte. Die Regel dahinter gilt allgemein — die Zahlen zweier umgekehrter Intervalle ergeben zusammen neun, und groß wird klein, klein wird groß.
Musikalische Verwendung
Als unvollkommene Konsonanz darf die Sexte parallel geführt werden, und Sextparallelen gehören zum geläufigen Bestand des mehrstimmigen Satzes. Der Faux-Bourdon des 15. Jahrhunderts beruht auf dieser Klanglichkeit. Klanglich wirkt die große Sexte offen und warm, weniger dicht als die Terz.
Im Akkord erscheint sie an mehreren Stellen. Der Sextakkord, also die erste Umkehrung des Dreiklangs, hat über dem Bass Terz und Sexte; ob diese groß oder klein ist, hängt vom Tongeschlecht ab. Die sixte ajoutée fügt einem Dreiklang eine Sexte statt einer Septime hinzu und klingt dadurch weicher, häufig am Schluss. Und der übermäßige Sextakkord, eine Bildung mit besonderer Spannung, baut auf einer erweiterten Form dieses Intervalls auf.
Melodisch ist die große Sexte ein weiter, aber gut singbarer Sprung, der häufig aufwärts zum Spitzenton einer Phrase führt und danach schrittweise zurückgeführt wird.
In der Melodik ist die große Sexte ein ausdrucksvoller Aufwärtssprung, der in vielen Liedanfängen vorkommt und weit und öffnend wirkt. Harmonisch zählt sie zu den unvollkommenen Konsonanzen. Im Satz werden Sextparallelen wie Terzparallelen verwendet, weil sie den Stimmen Selbstständigkeit lassen und dennoch wohlklingen. Im Fauxbourdon bestimmen parallele Sexten zwischen Ober- und Unterstimme den Klang, und in Blechbläsersätzen sind sie ein beliebtes Mittel für warme Zweistimmigkeit. ## Spielpraxis
Singe die Sexte über einen Umweg, wenn sie dir schwerfällt: Denk sie als Quinte plus Ganzton oder leite sie aus einem Dreiklang her. Intoniere sie eher weit, ähnlich wie die Durterz tief genommen wird — beides folgt demselben akustischen Grund. Und führe nach einem Sextsprung die Linie zurück; so bleibt die Phrase im Gleichgewicht.