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Form

Gymel

Mittelalterlicher Zwiegesang in Terzen oder Sexten.

Was es bedeutet

Der Gymel ist eine zweistimmige Satzweise der englischen Musik des späten Mittelalters, bei der zwei Stimmen überwiegend in parallelen Terzen oder Sexten geführt werden. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort für Zwilling ab und bezeichnet die Teilung einer Stimme in zwei gleichartige Linien.

Musikalische Verwendung

Bemerkenswert ist der Gymel vor allem wegen seines Klangs. Während die kontinentale Mehrstimmigkeit jener Zeit Quinten, Oktaven und Quarten als vollkommene Zusammenklänge bevorzugte und Terzen als unvollkommen behandelte, beruht der Gymel gerade auf den Terzen und Sexten. Diese Vorliebe für den volleren, weicheren Klang wird als Merkmal der englischen Musik jener Zeit beschrieben und gilt als einer der Wege, auf denen die Terz in die europäische Musik gelangte und schließlich zum Grundbaustein des Satzes wurde.

An Abschnittsenden laufen die beiden Stimmen üblicherweise in den Einklang oder in die Oktave zusammen, sodass die Parallelbewegung in einen vollkommenen Schlussklang mündet. Dieses Muster — Terz- oder Sextparallelen, die sich am Schluss in die Oktave öffnen oder im Einklang schließen — ist bis in spätere Musik verbreitet.

Der Gymel steht in engem Zusammenhang mit dem Faux-Bourdon des 15. Jahrhunderts, der drei Stimmen in parallelen Sextakkorden führt; beide gehören zu der Entwicklung, in der sich der Terzklang durchsetzte.

Wie weit der Gymel als eigenständige Gattung oder eher als Satzpraxis zu verstehen ist, wird in der Forschung verschieden beurteilt.

Der Name leitet sich vom lateinischen cantus gemellus, Zwillingsgesang, ab. Die Technik ist aus englischen Quellen des 13. bis 15. Jahrhunderts bekannt und zeigt die englische Vorliebe für Terzen und Sexten, die auf dem Kontinent erst später als wohlklingend galten. Sie wird oft als Vorstufe des Fauxbourdon angesehen. ## Spielpraxis

Singe die beiden Stimmen als einen Klang: gleiche Länge, gleicher Ansatz, gemeinsame Phrasierung. Intoniere die Terzen eher eng, damit der Zusammenklang ruhig wird. Und gestalte die Schlusswendung in den Einklang oder die Oktave bewusst — dort löst sich die Parallelbewegung auf.