Hemiole
Umdeutung zweier Dreiertakte in drei Zweiergruppen.
Was es bedeutet
Die Hemiole, griechisch für „anderthalb“, ist die rhythmische Umdeutung zweier Dreiertakte in drei Zweiergruppen. Aus zwei Takten im 3/4-Takt, die als 1-2-3, 1-2-3 gezählt würden, werden drei Gruppen zu je zwei Zählzeiten: 1-2, 1-2, 1-2. Das Verhältnis von drei zu zwei erzeugt eine kurze rhythmische Spannung, obwohl die Taktzeit gleich bleibt.
Musikalische Verwendung
Die Hemiole ist ein beliebtes Mittel, um Schlüsse und Kadenzen zu betonen, besonders im Barock und in der Wiener Klassik, etwa am Ende eines Menuetts. Dabei werden die letzten beiden Takte so betont, als stünden sie in einem anderen Metrum, was die Schlusswirkung verstärkt. Im 19. und 20. Jahrhundert nutzten Komponisten die Hemiole auch als Grundprinzip, etwa Johannes Brahms in seinen Sinfonien und Leonard Bernstein in „America“ aus der West Side Story, wo Sechsachtel- und Dreivierteltakt wechseln.
Abzugrenzen ist die Hemiole von der Synkope, die Betonungen gegen den Takt verschiebt, und von der Polyrhythmik, bei der mehrere Rhythmen gleichzeitig erklingen. Bei der Hemiole löst der Rhythmus einander ab, statt sich zu überlagern.
Spielpraxis
Spüre bei einer Hemiole die neue Gruppierung, indem du die betonten Zählzeiten mitklopfst oder laut mitzählst. Halte das Grundtempo unverändert und betone die neuen Schwerpunkte deutlich, aber nicht hart, damit die Wirkung als kurzer Rhythmuswechsel hörbar wird.