Mikrotonale Musik
Musik mit Intervallen kleiner als ein Halbton, etwa Viertel- oder Sechsteltönen.
Was es bedeutet
Mikrotonale Musik verwendet Intervalle, die kleiner sind als der Halbton, den kleinsten Schritt der gleichstufigen europäischen Tonleiter. Dazu zählen Vierteltöne, Sechsteltöne oder feinere Unterteilungen der Oktave. Solche Töne liegen zwischen den Tasten eines normal gestimmten Klaviers und lassen sich daher darauf nicht spielen.
Im Notenbild
Für Vierteltöne gibt es eigene Vorzeichen: ein halbes Kreuz erhöht um einen Viertelton, ein durchgestrichenes oder umgekehrtes b erniedrigt um einen Viertelton. Eine allgemein anerkannte Notation gibt es nicht; Komponisten erklären ihre Zeichen meist im Vorwort der Partitur.
Musikalische Verwendung
Mikrotonale Intervalle sind in vielen außereuropäischen Musikkulturen selbstverständlich, etwa in den arabischen Maqamat, in der türkischen Musik und in indischen Systemen. In der europäischen Kunstmusik des 20. Jahrhunderts erkundeten sie Komponisten wie Alois Hába, der Vierteltonmusik schrieb, Julián Carrillo und Iwan Wyschnegradsky. Harry Partch entwickelte ein eigenes Tonsystem mit 43 Tönen je Oktave und baute dafür eigene Instrumente.
Abzugrenzen ist mikrotonale Musik von Verstimmung und Intonationsschwankungen: Ihre kleinen Intervalle sind bewusst geplant und fester Teil des Tonsystems.
Spielpraxis
Wenn du mikrotonale Intervalle singst oder auf dem Streichinstrument spielst, übe sie zunächst gegen einen Bordunton. Hör auf den Klang der Reibung zwischen den Tönen und stimme genau ab, denn die Abstände sind kleiner, als dein Ohr es gewohnt ist.