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Tonleiter

Maqam

Ein Maqam ist ein Melodiemodell der arabischen Musik, in der Türkei makam genannt. Es verbindet eine bestimmte Tonleiter mit charakteristischen Wendungen, typischen Anfangs- und Schlusstönen und einem eigenen Ausdruck. Viele Maqamat nutzen Töne, die zwischen den Tasten eines Klaviers liegen, etwa Dreivierteltonschritte.

Bedeutung
arabisch: „Ort, Stelle“
Besteht aus
Tonvorrat + Wendungen + Ausdruck
Besonderheit
Vierteltöne in vielen Maqamat
Bekannte Beispiele
Rast, Bayati, Hijaz, Ajam, Nahawand

Mehr als eine Tonleiter

Ein Maqam ist nicht nur ein Tonvorrat. Er legt auch fest, wo eine Melodie beginnt, welche Töne sie betont, wie sie sich entwickelt und wo sie endet. Musiker improvisieren innerhalb dieses Rahmens. Es gelten Regeln für die Entwicklung der Melodie, für Wechsel zu verwandten Maqamat und für die Rückkehr zum Grundton. Der Begriff ist mit dem abendländischen Modus verwandt, geht aber weiter: Eine Tonleiter allein bestimmt noch keinen Maqam.

Hijaz auf d: vollständig in europäischer Notation

d es fis g a b c d ½ 1½ ½ 1 ½ 1 1

Die übermäßige Sekunde es–fis (markiert) ist das Kennzeichen des Hijaz. Dieser Maqam kommt ohne Vierteltöne aus; er lässt sich in europäischer Notation schreiben und auf einem Klavier näherungsweise spielen.

Ajam auf c: wie Dur

c d e f g a h c 1 1 ½ 1 1 1 ½

Ajam entspricht in seiner Tonfolge der abendländischen Durtonleiter.

Nahawand auf c: wie Moll

c d es f g as b c 1 ½ 1 1 ½ 1 1

Nahawand entspricht in seiner Tonfolge der natürlichen Molltonleiter. In der Praxis tritt häufig eine erhöhte Sexte oder Septime auf (harmonisches oder melodisches Moll).

Im Glossar: Tonleiter · Kirchentonart · Mela

Was sich in Noten zeigen lässt

Die drei oben gezeigten Maqamat Hijaz, Ajam und Nahawand lassen sich in europäischer Notation wiedergeben, wobei die Intonation der einzelnen Stufen je nach Tradition etwas abweichen kann. Viele andere nutzen Vierteltöne, also Schritte, die zwischen den Tasten eines Klaviers liegen. Rast etwa hat eine Terz, die zwischen e und es liegt. In der arabischen Theorie werden diese Töne oft als Vierteltöne eines 24-stufigen Systems beschrieben. Die tatsächliche Intonation variiert je nach Region, Tradition und Spieler. Die Zeichen ¼↓ in der Tabelle sind eine Verständigungshilfe, kein Ersatz für die Notation.

MaqamTonfolgeBesonderheit
Rast (auf c)c d e¼↓ f g a h¼↓ cTerz und Septime sind Viertelton-tief: die Terz liegt zwischen e und es, die Septime zwischen h und b
Bayati (auf d)d e¼↓ f g a b c dzweite Stufe Viertelton-tief
Hijaz (auf d)d es fis g a b c dübermäßige Sekunde, ohne Vierteltöne
Ajamwie Durohne Vierteltöne
Nahawandwie natürliches Mollohne Vierteltöne

Deshalb zeigen die Notenzeilen zum Anhören nur die drei Maqamat ohne Vierteltöne. Wer Rast oder Bayati hören will, braucht ein Instrument, das Vierteltöne spielen kann, etwa die Oud, die Geige oder die Stimme.

Abgrenzung

Verschiedene Maqamat können denselben Tonvorrat haben. Zwei Maqamat mit derselben Tonleiter unterscheiden sich durch ihre Wendungen, ihre Schwerpunkttöne und ihre Ausdrucksweise. Und zwischen Maqam und abendländischer Tonart besteht ein Unterschied im Zweck: Die Tonart ist eng mit Harmonik verbunden, der Maqam mit Melodiebildung.

Zum Üben: Spiele den Hijaz am Klavier und achte auf den Schritt es–fis, die übermäßige Sekunde. Singe ihn danach, ohne am Klavier zu bleiben, und versuche, den weiten Schritt klar zu halten. Zum Vergleich: In a-Moll (harmonisch) kommt dieselbe übermäßige Sekunde vor, zwischen f und gis.