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Tonleiter

Mela

Mela bezeichnet in der südindischen karnatischen Musik eine Grundskala, aus der Ragas abgeleitet werden. Das Melakarta-System ordnet diese Skalen: 72 Melas, jede mit allen sieben Stufen in fester Reihenfolge auf- und abwärts. Die Mela liefert nur den Tonvorrat. Ein Raga ist weit mehr.

System
Melakarta: 72 Melas
Stufen
sieben, aufwärts wie abwärts
Aufbau
2 Hälften zu je 36, 12 Gruppen (Chakras) zu je 6
Zugehörig
Ragas (Ableitungen mit Auslassungen und Wendungen)

Eine Ordnung für Tonleitern

Das System der Melakarta zählt alle Skalen durch, die sieben Stufen in einer festen Folge enthalten. Jede Mela hat Sa (Grundton) und Pa (Quinte) als feste Töne. Bei den anderen fünf Stufen kommen Varianten ins Spiel: Ri, Ga, Dha und Ni gibt es in je mehreren Formen, Ma in zwei. Die Kombinationen ergeben 72 Melas. Nach der Form der Ma-Stufe zerfallen sie in zwei Hälften zu je 36, und je sechs Melas mit übereinstimmenden Stufen Ri, Ga und Ma bilden eine von zwölf Gruppen, Chakra genannt.

Mela 29, Dheerasankarabharanam: in der Tonfolge wie Dur

c d e f g a h c 1 1 ½ 1 1 1 ½

Eine der bekanntesten Melas hat die gleiche Tonfolge wie die europäische Durtonleiter.

Mela 22, Kharaharapriya: wie Dorisch

c d es f g a b c 1 ½ 1 1 1 ½ 1

Kharaharapriya entspricht dem dorischen Modus auf c.

Mela 20, Natabhairavi: wie natürliches Moll

c d es f g as b c 1 ½ 1 1 ½ 1 1

Natabhairavi hat die gleiche Tonfolge wie das natürliche Moll.

Mela 15, Mayamalavagowla: zwei übermäßige Sekunden

c des e f g as h c ½ 1½ ½ 1 ½ 1½ ½

Mayamalavagowla hat zwei übermäßige Sekunden, des–e und as–h (markiert: die oberen Töne). In der europäischen Theorie kennt man diese Tonfolge als doppelt-harmonische Tonleiter.

Im Glossar: Tonleiter · Maqam · Übermäßige Sekunde

Mela und Raga

Die vier Zeilen zeigen die Tonfolge im europäischen Notenbild, in gleichstufiger Näherung. Sie geben nur einen Teil dessen wieder, was eine Mela ausmacht. Die Tonhöhen stimmen nicht mit denen des temperierten Systems überein, und die Stimmung bezieht sich auf einen frei gewählten Grundton, der als Bordun ständig mitklingt. Die Silbenbenennung der Stufen erinnert an die europäische Solmisation, ist aber eine eigene Tradition.

Nr.NameÄhnlichste europäische Tonfolge
15Mayamalavagowlac des e f g as h
20Natabhairavinatürliches Moll
22KharaharapriyaDorisch
29DheerasankarabharanamDur

Mela und Raga sind zu unterscheiden. Die Mela liefert den Tonvorrat. Der Raga umfasst darüber hinaus kennzeichnende Wendungen, Schwerpunkttöne, Verzierungsarten, Bewegungsrichtungen und einen bestimmten Ausdruck. Mehrere Ragas können denselben Tonvorrat haben und trotzdem grundverschieden klingen. Eine Gleichsetzung von Raga und Tonleiter greift deshalb zu kurz. Von den Melas werden viele weitere Ragas abgeleitet, die Töne auslassen, die Tonfolge im Zickzack führen oder einzelne fremde Töne aufnehmen.

Zum Üben: Spiele die Zeilen am Klavier und achte auf die Wirkung der übermäßigen Sekunden in Mayamalavagowla. Wenn du Sa als Dauerton (Bordun) mitklingen lässt, etwa mit einem Stimmgerät, das einen Ton hält, hörst du, wie sich jede Tonfolge gegen ihn abhebt.