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Notation

Plica

Verzierungszeichen mittelalterlicher Notation.

Was es bedeutet

Die Plica — „Falte" — ist ein Zeichen der mittelalterlichen Notation, das einen zusätzlichen Ton an eine geschriebene Note anhängt. Dieser Zusatzton ist nicht eigens notiert, sondern durch einen Strich am Notenzeichen angedeutet; seine Richtung — aufwärts oder abwärts — ergibt sich aus der Stellung des Striches. Er gilt als Durchgang oder Verbindung zum folgenden Ton, nicht als selbständiger Bestandteil der Melodie.

Im Notenbild

Erkennbar ist die Plica an einem zusätzlichen Strich am Notenkopf, der über das übliche Maß hinausgeht; steht er aufwärts, ist ein höherer Zusatzton gemeint, abwärts ein tieferer. In Ligaturen steht sie meist als senkrechter Strich am Schlusszeichen (ligatura plicata). Die Tonhöhe des Zusatztones ergibt sich aus dem Hauptton und dem folgenden Ton: Sind beide gleich, ist je nach Richtung des Striches die obere oder untere Nebennote gemeint; liegt eine Terz dazwischen, füllt der Zusatzton sie als Durchgang; in allen anderen Fällen muss der musikalische Zusammenhang entscheiden.

Musikalische Verwendung

Verbreitet war das Zeichen in der Musik des 12. und 13. Jahrhunderts, im einstimmigen Gesang ebenso wie in der frühen Mehrstimmigkeit. Vermutet wird ein Zusammenhang mit einer besonderen Art des Vortrags: Der Zusatzton soll nicht wie ein gewöhnlicher Ton angesetzt, sondern aus dem Hauptton heraus gebildet worden sein, gleichsam als Nachschlag oder Gleitbewegung. Wie das klanglich genau aussah, lässt sich aus den Quellen nicht mit Sicherheit erschließen; die Deutung des Zeichens gehört zu den offenen Fragen der Notationskunde. Hervorgegangen ist es aus den liqueszierenden Neumen des Chorals, etwa dem Cephalicus. Auch in der Mensuralnotation des 13. Jahrhunderts blieb es in Gebrauch und wurde dort an Longa und Brevis gesetzt; meist bezeichnet der Zusatzton eine auf leichter Zeit hinzugefügte Brevis.

Spielpraxis

Wenn eine moderne Ausgabe Plicatöne ausschreibt, behandle sie nicht als gleichwertige Melodietöne: Sie hängen an ihrem Hauptton und führen zum nächsten weiter. Singe sie leicht und ohne neuen Ansatz, mit dem Gewicht auf dem Hauptton. Prüfe im Kritischen Bericht, ob die Ausgabe die Tonhöhe des Zusatztones aus der Quelle nimmt oder erschlossen hat — beides kommt vor, und im zweiten Fall ist die Lesart ein Vorschlag.