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Theorie

Polyrhythmik

Polyrhythmik heißt, dass in einem Stück gleichzeitig verschiedene Rhythmen erklingen, die sich nicht auf einen gemeinsamen Takt zurückführen lassen. Der einfachste Fall ist drei gegen zwei: Eine Stimme teilt den Takt in drei gleiche Schläge, eine zweite in zwei.

Bedeutung
verschiedene Rhythmen gleichzeitig
Einfachster Fall
3 gegen 2
Treffpunkt
alle Stimmen fallen nur auf die Eins zusammen
Verwandt
Triole, Synkope, Hemiole

Zwei Ordnungen übereinander

Im Normalfall gibt der Takt allen Stimmen dieselbe Ordnung vor: Man zählt eins, zwei, drei, vier, und alle Rhythmen lassen sich darauf zurückführen. Bei der Polyrhythmik gilt das nicht. Zwei Ordnungen laufen gleichzeitig, jede mit ihrem eigenen Puls, aber über derselben Gesamtlänge. Die drei Notenzeilen zeigen den einfachsten Fall im 6/8-Takt: Die eine Stimme teilt den Takt in zwei, die andere in drei Schläge.

Zwei Schläge pro Takt

6 8

Der Takt wird in zwei gleich lange Schläge geteilt, jeder so lang wie drei Achtel. Das ist die normale Zählweise eines 6/8-Takts.

Drei Schläge pro Takt

6 8

Derselbe Takt, jetzt in drei gleich lange Schläge geteilt, jeder ein Viertel lang. Er ist so lang wie der erste, nur anders gegliedert.

Beide zusammen: wie der Rhythmus klingt

6 8

Spielt eine Hand zwei, die andere drei Schläge, erklingen vier Anschläge pro Takt: Viertel, Achtel, Achtel, Viertel, wobei beide Hände auf der Eins gemeinsam anschlagen. Die Notenzeile zeigt nur das Ergebnis, nicht die beiden Stimmen einzeln.

Das Raster

Zum Verständnis hilft ein Raster mit sechs Achteln. Der Zweierpuls trifft die Achtel 1 und 4, der Dreierpuls die Achtel 1, 3 und 5. Gemeinsam fallen die beiden nur auf der Eins zusammen. Die dritte Zeile der Tabelle ist die Summe: So entsteht das Muster, das man in der dritten Notenzeile sieht.

Achtel im Takt123456
Zwei Schläge●●
Drei Schläge●●●
Zusammen●●●●

Die Symbolbibliothek auf der Seite Notationssymbole sagt von der Achteltriole, sie bringe eine „3 gegen 2“-Polyrhythmik in den ansonsten zweigeteilten Takt. Das ist derselbe Gedanke, nur innerhalb einer einzigen Stimme: Drei Noten füllen die Zeit von zwei. Bei der Polyrhythmik liegt dieser Gegensatz dagegen zwischen zwei Stimmen.

Wo man sie hört

Polyrhythmen sind alltäglich in Musik, die aus Westafrika stammt oder von ihr geprägt wurde, etwa in Jazz, Latin und Rock-Schlagzeug. Das einfachste Beispiel ist 3 gegen 2. Die nächsten Fälle sind 4 gegen 3 und 5 gegen 4, die schwerer zu zählen sind. Folgen die beiden Gliederungen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, etwa wenn ein 6/8-Takt kurz wie ein 3/4-Takt gegliedert wird, spricht man von einer Hemiole.

Zum Üben: Klopfe mit der linken Hand zwei Schläge pro Takt und mit der rechten drei. Beginne mit einer Hand und füge die zweite erst hinzu, wenn die erste sicher läuft. Die ersten Takte klappen meist nur beim Zählen der Achtel: 1 2 3 4 5 6. Unterteilungen übst du mit dem Metronom.

Häufige Fehler

  • Die Hände angleichen: Beide neigen dazu, einander zu folgen. Lass sie bewusst unabhängig laufen.
  • Das Raster ignorieren: Wer nur in Schlägen denkt, verliert die gemeinsame Eins.
  • Polyrhythmik mit Synkope gleichsetzen: Synkope verschiebt die Betonung innerhalb einer Ordnung, Polyrhythmik legt zwei Ordnungen übereinander.