Secondo
\"Zweiter\" Spieler im vierhändigen Klaviersatz.
Was es bedeutet
Secondo bezeichnet im vierhändigen Klaviersatz den Spieler, der die untere Hälfte der Klaviatur übernimmt und links sitzt. Ihm gehören Bass und Harmonie, häufig auch die rhythmische Führung. Die Bezeichnung als „zweiter" meint die Lage, nicht den Rang: In der Praxis liegt die Verantwortung für Tempo, Puls und harmonische Klarheit weitgehend bei ihm.
Im Notenbild
In gedruckten Ausgaben steht der Secondo-Part auf der linken Seite der Doppelseite, der Primo-Part rechts, sodass beide Spieler gleichzeitig umblättern. Der Part besteht aus zwei Systemen, üblicherweise beide im Bassschlüssel, mit Wechsel in den Violinschlüssel bei höherer Lage. Stichnoten in kleiner Schrift zeigen gelegentlich an, was der Partner an dieser Stelle spielt, damit gemeinsame Einsätze gelingen. Das Pedal bedient in der Regel der Secondo, weil es zur harmonischen Grundlage gehört; manche Ausgaben vermerken das ausdrücklich.
Musikalische Verwendung
Im vierhändigen Repertoire des 19. Jahrhunderts — originale Werke ebenso wie die zahlreichen Bearbeitungen von Orchestermusik — trägt der untere Part das Gerüst: Bassfundament, Mittelstimmen, oft die durchlaufende Bewegung. In Bearbeitungen übernimmt er typischerweise, was im Orchester Streicherbässe und Bläserharmonien leisten. Dass die Melodie meist beim Partner liegt, verlangt vom Secondo dynamische Zurückhaltung, ohne dass die Grundlage dünn werden darf.
Secondo spielt die tieferen Lagen und übernimmt häufig die Bassbegleitung. Im vierhändigen Spiel an einem Instrument sitzt Secondo links vom Primo. Der Secondo-Spieler bedient in der Regel das rechte Pedal und ist damit für den Klang des Ganzen verantwortlich. ## Spielpraxis
Führe das Tempo hörbar, aber nicht drängend — der Partner richtet sich nach deinem Puls, besonders in Passagen, in denen die Oberstimme frei wirkt. Halte den Bass klar und die Mittelstimmen leicht; Akkordbegleitung im unteren Register wird schnell dick. Beim Pedal richte dich nach der Harmonie und höre auf die Oberstimme, damit Melodietöne nicht ineinanderlaufen. Kläre vorher, wer umblättert, und übe Einsätze nach Pausen gemeinsam, statt sie jeder für sich zu zählen.