Vorbereitung
Konsonante Vorbereitung einer Dissonanz.
Was es bedeutet
Unter Vorbereitung versteht man in der Satzlehre, dass ein Ton, der dissonant werden soll, zuvor in derselben Stimme als Konsonanz erklingt. Er ist also schon da, bevor die Dissonanz entsteht — und die Dissonanz ergibt sich daraus, dass die anderen Stimmen weitergehen, während er liegen bleibt.
Musikalische Verwendung
Vorbereitung, Dissonanz und Auflösung bilden in der strengen Satzlehre eine feste Folge. Der Ton erklingt zunächst konsonant auf leichtem Taktteil, wird dann auf schwerem Taktteil zur Dissonanz, weil sich die Harmonie unter ihm ändert, und löst sich schließlich schrittweise, meist abwärts, in einen Akkordton auf. Dieses Muster ist die Grundlage des Vorhalts und in der Kontrapunktlehre Gegenstand der vierten Gattung, in der die Oberstimme durchgehend synkopiert gegen den Cantus firmus geführt wird.
Der Sinn liegt im Hören: Eine vorbereitete Dissonanz wird als Folge einer Stimmführung verstanden, nicht als willkürliche Schärfe. Das Ohr kennt den Ton bereits und erlebt seine Umdeutung, statt von ihm überrascht zu werden.
Historisch wurde die Regel allmählich gelockert. In der Vokalpolyphonie der Renaissance war die Vorbereitung für betonte Dissonanzen verbindlich. Die Septime des Dominantseptakkords wurde zunächst ebenfalls vorbereitet; schon im Barock setzte sich jedoch der freie Einsatz durch. Im 19. Jahrhundert traten Dissonanzen zunehmend unvorbereitet ein.
Abzugrenzen ist die vorbereitete Dissonanz von der Durchgangsnote und der Wechselnote, die unbetont stehen und schrittweise erreicht werden, also keiner Vorbereitung bedürfen.
Im strengen Satz ist die Vorbereitung Pflicht für Vorhalte und liegende Dissonanzen: Der später dissonante Ton erklingt zunächst als Konsonanz auf leichter Zeit, bleibt dann liegen, während die übrigen Stimmen weitergehen, und wird schließlich schrittweise aufgelöst. Im freien Satz wird etwa die Dominantseptime oft ohne Vorbereitung eingeführt. ## Spielpraxis
Halte den vorbereiteten Ton bewusst fest, während die anderen Stimmen sich bewegen — er soll nicht neu angesetzt werden. Gib der Dissonanz Gewicht und der Auflösung Entspannung. Und höre auf den Augenblick der Umdeutung: Dort entsteht die Spannung.