Alterierter Akkord
Akkord mit erhöhten oder erniedrigten Tönen.
Was es bedeutet
Ein alterierter Akkord enthält Töne, die gegenüber dem leitereigenen Tonvorrat chromatisch erhöht oder erniedrigt sind. Er behält seine Funktion, erhält aber durch die Veränderung eine schärfere Zielrichtung: Ein erhöhter Ton strebt stärker aufwärts, ein erniedrigter stärker abwärts, weil beide nun einen Halbton von ihrem Ziel entfernt liegen.
Musikalische Verwendung
Die Alteration schafft zusätzliche Leittöne. Das ist ihr Sinn: Wo die Diatonik einen Ganztonschritt hat, erzeugt die Veränderung einen Halbtonschritt und damit eine Spannung, die nach Auflösung verlangt.
Mehrere alterierte Klänge haben sich als feste Bildungen etabliert. Der neapolitanische Sextakkord ist ein Durdreiklang auf der erniedrigten zweiten Stufe, meist in erster Umkehrung, und steht vor der Dominante; funktional vertritt er die Subdominante. Der übermäßige Sextakkord enthält über der erniedrigten sechsten Stufe im Bass eine übermäßige Sexte, deren beide Töne auseinanderstreben und sich in die Oktave der Dominante auflösen; je nach Bauart heißt er italienisch, französisch oder deutsch. Die Dominante mit erhöhter oder erniedrigter Quinte verschärft ihren Zug zur Tonika zusätzlich.
Abzugrenzen ist die Alteration von der Zwischendominante: Diese ist ein Dominantklang, der sich auf eine andere Stufe als die Tonika bezieht, und enthält ebenfalls leiterfremde Töne, jedoch als Leitton zu dieser anderen Stufe, nicht als Veränderung eines bestehenden Akkordtons.
In der Funktionstheorie wird die Alteration durch Zusätze an der Funktionsbezeichnung angezeigt; der Klang behält seinen funktionalen Namen.
Zu den bekanntesten alterierten Akkorden gehören der Dominantseptakkord mit tiefalterierter Quinte, der übermäßige Sextakkord und der Dominantseptakkord mit hochalterierter Quinte. Im Jazz fasst man unter dem Kürzel alt einen Dominantseptakkord zusammen, dessen None und Quinte erhöht oder erniedrigt sind; darüber wird die alterierte Skala gespielt. Gemeinsam ist allen Formen, dass die chromatischen Töne als Leittöne wirken und die Auflösung verstärken. ## Spielpraxis
Suche in einem alterierten Akkord den veränderten Ton und verfolge, wohin er geht — dort liegt die Wirkung. Gib ihm Gewicht und führe ihn gerichtet weiter. Bei beweglicher Intonation nimm erhöhte Töne eher hoch, erniedrigte eher tief, damit die Zugkraft hörbar wird.