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Akkord

Übermäßiger Sextakkord

Der übermäßige Sextakkord ist ein alterierter Klang, dessen Kennzeichen die übermäßige Sexte über dem Bass ist. In c-Moll liegt as im Bass und fis darüber. Beide Töne streben um einen Halbton auseinander und erreichen beide das g (im Oktavabstand), den Grundton der Dominante.

Kennzeichen
übermäßige Sexte über dem Bass
In c-Moll
as (Bass) und fis
Auflösung
as nach g, fis nach g
Bauarten
italienisch, französisch, deutsch
Steht vor
der Dominante

Zwei Töne, die auseinanderstreben

Im Namen steckt das Intervall, das den Klang prägt: Zwischen dem Bass as und dem fis liegt eine übermäßige Sexte, ein Intervall von zehn Halbtönen, einen mehr als die große Sexte. Es hat eine starke Tendenz, sich zur Oktave zu erweitern: Der tiefe Ton geht einen Halbton abwärts, der hohe einen Halbton aufwärts, beide erreichen das g, im Abstand einer Oktave. Das ist der Grundton der Dominante. Der Klang bereitet sie deshalb mit doppelter Leittonspannung vor.

Die drei Bauarten in c-Moll

Von links nach rechts: der italienische (as–c–fis, nur die Terz dazwischen), der französische (zusätzlich d, eine übermäßige Quarte über dem Bass) und der deutsche übermäßige Sextakkord (zusätzlich es, die Quinte über dem Bass).

Auflösung des deutschen Typs über den Quartsextakkord

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Der Bass fällt von as nach g, das fis steigt nach g: Beide Außenstimmen laufen in die Oktave. Der Akkord auf g im Bass mit c und es darüber ist der Quartsextakkord, dann folgt die Dominante. Die Umwegführung vermeidet die Quintparallelen, die bei direktem Gang in die Dominante entstünden.

Im Glossar: Sextakkord · Neapolitanischer Sextakkord · Quartsextakkord

Drei Bauarten

Je nachdem, welche Töne zwischen den Außentönen stehen, unterscheidet man drei Bauarten.

BauartTöne in c-MollZusatz über dem Bass
italienischas–c–fisTerz
französischas–c–d–fisTerz, übermäßige Quarte
deutschas–c–es–fisTerz, Quinte

Die italienische Form besteht aus nur drei verschiedenen Tönen; im vierstimmigen Satz wird einer davon verdoppelt. Alle drei Bauarten enthalten den Tritonus c–fis. Die französische hat mit der übermäßigen Quarte as–d einen zweiten Tritonus und klingt besonders herb. Die deutsche Form fügt die Quinte hinzu. Die drei Namen sind Ordnungsbegriffe und kein Beleg für nationale Herkunft.

CmiAs⁺⁶Cm/Gi 6/4GVCmi

Warum der deutsche Typ Modulationen erlaubt

Auf einem temperierten Klavier klingt die deutsche Form wie ein Dominantseptakkord. As–c–es–fis ist enharmonisch dasselbe wie as–c–es–ges, also As7. Diese enharmonische Mehrdeutigkeit wird für Modulationen genutzt: Derselbe Klang führt als übermäßiger Sextakkord nach G und als Dominantseptakkord nach Des in ganz andere Richtungen. Deshalb hört man ihn auch als Mittel für überraschende Wendungen.

Einordnung

Funktionstheoretisch wird der Klang als alterierte Doppeldominante oder als alterierte Subdominante gedeutet; die Lehrwerke sind sich darin nicht einig. Seine Stellung im Satz ist dagegen fest: unmittelbar vor der Dominante oder vor dem Kadenzquartsextakkord, der zu ihr führt. In Moll ist er besonders naheliegend, weil die erniedrigte sechste Stufe (as in c-Moll) im natürlichen Moll schon leitereigen ist.

Zum Üben: Spiele am Klavier die Folge Cm – As⁺⁶ – Cm/G – G – Cm. Achte darauf, dass das as in den Bass geht und nach g fällt, während das fis nach g steigt. Beginne dann die Wendung mit As7 und höre, wie derselbe Klang in einem anderen Zusammenhang wirkt.