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Akkord

Neapolitanischer Sextakkord

Ein Durdreiklang auf der erniedrigten zweiten Stufe, meist in erster Umkehrung, also mit der Terz im Bass. Er steht in der Kadenz dort, wo sonst die Subdominante stünde, und trübt den Klang unmittelbar vor der Dominante ein.

Bauart
Durdreiklang auf ♭II, erste Umkehrung
In a-Moll
B-Dur mit d im Bass: d–f–b
Stufenzeichen
♭II⁶ (oder N⁶)
Generalbass
6
Meist vor
der Dominante

Was den Neapolitaner ausmacht

Der neapolitanische Sextakkord entsteht, wenn man auf der erniedrigten zweiten Stufe einer Tonart einen Durdreiklang baut und ihn in die erste Umkehrung legt. In a-Moll ist die zweite Stufe h; erniedrigt wird daraus b. Der Dreiklang b–d–f steht mit d im Bass. Die Terz im Bass macht ihn zum Sextakkord.

Der Klang selbst: B-Dur in Grundstellung und als Sextakkord (der Neapolitaner in a-Moll)

Links der Durdreiklang auf b (b–d–f), die erniedrigte zweite Stufe von a-Moll. Rechts dieselben Töne mit d unten: Das ist der Sextakkord. Über dem Bass d liegen eine kleine Terz (f) und eine kleine Sexte (b), und die Sexte gibt dem Akkord den Namen.

Die Stimmführung: Oberstimmen im Violinschlüssel

4 4

Der markierte Akkord ist der Neapolitaner. Vom ersten zum zweiten Akkord gehen alle drei Oberstimmen abwärts: e nach d, c nach b, a nach f. Im nächsten Schritt fällt das b um eine verminderte Terz auf gis, den Leitton, während das d als Septime der Dominante liegen bleibt.

Der Bass dazu: Bassschlüssel

4 4

Der Bass geht von a über d und e zurück nach a. Das d ist die Terz des Neapolitaners, das e die Dominante.

Im Glossar: Sextakkord · Akkordumkehrung · Übermäßiger Sextakkord

Wie er klingt und wohin er führt

AmiB/D♭II⁶E7V⁷Ami

Der Neapolitaner steht in der Kadenz an der Stelle der Subdominante. Er bereitet die Dominante vor, oft mit einem Quartsextvorhalt dazwischen. Die Wirkung ist eine plötzliche Eintrübung kurz vor dem Schluss, weil ein Ton auftaucht, den die Tonleiter nicht enthält.

Die entscheidende Stimme ist der erniedrigte Ton, hier das b. Er wird in der Regel abwärts weitergeführt, im Beispiel direkt auf gis, den Leitton der Dominante. Zwischen b und gis liegt eine verminderte Terz, ein Intervall, das der Wendung ihre eigentümliche Färbung gibt. Seine Wirkung beruht darauf, dass ein tiefalterierter Ton abwärts zum Leitton strebt.

In der Funktionstheorie wird er meist als Mollsubdominante mit kleiner Sexte statt der Quinte gedeutet. Die Stufenschrift gibt ihn als ♭II an.

TonartNeapolitanerSextakkord (von unten)
a-MollB-Dur b–d–fd–f–b
e-MollF-Dur f–a–ca–c–f
h-MollC-Dur c–e–ge–g–c
d-MollEs-Dur es–g–bg–b–es
g-MollAs-Dur as–c–esc–es–as
c-MollDes-Dur des–f–asf–as–des

Name und Herkunft

Der Name erinnert an die neapolitanische Opernschule des 18. Jahrhunderts, in deren Umkreis die Wendung häufig vorkommt. Erfunden wurde sie dort nicht; sie findet sich bereits früher. Sie gilt als ein klassisches Mittel, einen Moll-Schluss zu verdunkeln.

Abgrenzung

  • Phrygischer Klang: Auch er enthält die erniedrigte zweite Stufe. Dort ist sie aber leitereigen und bereitet keine Dominante vor. Mehr dazu unter Phrygische Kadenz.
  • Übermäßiger Sextakkord: Ebenfalls ein Sextakkord vor der Dominante, aber mit alterierten Tönen und der übermäßigen Sexte über dem Bass.
  • Neapolitaner in Dur: Er kommt auch dort vor und wirkt noch fremder, weil die Tonleiter noch weiter entfernt liegt.
Zum Üben: Spiele die Folge Am – B/D – E – Am am Klavier. Halte den erniedrigten Ton b gut hörbar, gib ihm Gewicht und nimm dir vor der Dominante einen Moment Zeit, statt durchzueilen. Singe das b hinunter auf gis und achte auf die enge verminderte Terz.