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Stimme

Altus

Altus ist lateinisch „hoch“. Das Wort nennt die zweithöchste Stimme in vierstimmigen Sätzen mit den Namen Cantus, Altus, Tenor und Bassus, aus der die Altstimme wurde. Es bezeichnet aber auch eine hohe Männerstimme in Altlage, die im Falsett singt, verwandt mit dem Countertenor.

Bedeutung 1
Name der zweithöchsten Stimme im vierstimmigen Satz: Cantus, Altus, Tenor, Bassus
Bedeutung 2
hohe Männerstimme in Altlage, falsettierend; auch Countertenor
Abkürzung
A (in SATB)
Umfang
ungefähr e bis e″; die Angaben sind uneinheitlich
Schlüssel
in den Beispielen des Archivs Violinschlüssel, anders als der Tenor ohne 8
Wortherkunft
lateinisch altus, „hoch“

Zwei Bedeutungen

Zu Cantus und Tenor trat in der älteren Mehrstimmigkeit eine Gegenstimme, lateinisch „contratenor“. Als vier Stimmen der Regelfall wurden, teilte sie sich in eine hohe und eine tiefe: „contratenor altus“ und „contratenor bassus“. Daraus entwickelten sich die Namen Altus und Bassus; auch die heutigen Wörter Alt und Bass gehen darauf zurück. Das ist die erste Bedeutung: die Stimme im Satz.

Die zweite meint einen Sänger. Der Altus ist eine „falsettierende Männerstimme in Altlage“, besonders in der Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts. Mit dem Countertenor ist er eng verwandt. Die Unterscheidung ist schwach: „Altus“ bezieht sich mehr auf die Lage der notierten Stimme, „Countertenor“ auf das Stimmfach des Sängers.

Wie hoch?

Auch hier gibt es keine feste Zahl. Die Quellen liegen beieinander, aber nicht gleich:

DarstellungUmfangGemeint ist
Darstellung Aungefähr e bis e″Contratenor altus im vierstimmigen Männerchorsatz
Darstellung BE3 bis D5 oder E5 (e bis d″ oder e″)Countertenor, ungefähr wie ein Alt
Darstellung Cf bis d″„alto“ allgemein

Ungefährer Umfang: e bis e″

4 4

Das kleine e und das zweigestrichene e″ liegen zwei Oktaven auseinander. Für den Countertenor wird je nach Darstellung E3 bis D5 oder E5 genannt, also e bis d″ oder e″.

Altus: wie notiert gesungen

4 4

Im Violinschlüssel ohne 8 klingen die Noten so, wie sie auf den Linien stehen: g′, a′, g′, f′, dann e′.

Tenor: dieselben Linien, eine Oktave tiefer

8 4 4

Dieselben Notenpositionen wie oben, aber mit der kleinen 8 unter dem Schlüssel: Sie klingen eine Oktave tiefer (g, a, g, f, e). So ist im Notenarchiv der Tenor von Caligaverunt und Popule Meus geschrieben, der Altus ohne 8.

Hör beide Zeilen an: Es sind dieselben Positionen im Notensystem, nur klingt die zweite eine Oktave tiefer. Das ist der Grund, warum beim Tenor die 8 steht. Man lässt sie oft weg, weil Tenorstimmen im Violinschlüssel ohnehin eine Oktave tiefer gesungen werden als notiert; Countertenor- und Altus-Stimmen nimmt sie dabei ausdrücklich aus.

Altus im Notenarchiv

Beide Stücke sind lateinische Chorsätze von Juozas Naujalis. Sie benutzen die alten Namen:

Altus im Chorsatz

In beiden Sätzen siehst du, wer wo steht: Cantus und Altus im Violinschlüssel, der Tenor im Violinschlüssel mit 8, der Bassus im Bassschlüssel. Wer die Zeile singt, steht nicht auf dem Blatt; im Kopf von Caligaverunt steht nur „Chorsatz SATB“.

Zum Üben: Suche in Caligaverunt den Altus, das zweite System, und den Tenor, das dritte. Lies beide Zeilen im ersten Takt und beachte, dass der Tenor dort noch pausiert. Spiele den Altus und danach den Tenor auf dem Klavier und denke dir beim Tenor die Noten eine Oktave tiefer.

Häufige Fehler

  • Altus und Alt gleichsetzen: Im Satz meint Altus oft die Stimme, die heute Alt heißt; als Sänger ist Altus ein Mann im Falsett, während Alt meist eine Frauen- oder Knabenstimme ist.
  • Umfänge als feste Grenzen lesen: Die Angaben weichen je nach Darstellung um einen Halb- oder Ganzton ab.
  • Die 8 beim Tenor überlesen: Ohne sie klingt die Zeile eine Oktave zu hoch.