Altus
Hohe Männerstimme, Countertenor.
Was es bedeutet
Altus bezeichnet eine hohe Männerstimme, die in der Lage der Altstimme singt. Erreicht wird diese Lage überwiegend mit der Kopfstimme, also mit dem Register, das umgangssprachlich Falsett heißt; viele Sänger verbinden es mit der Bruststimme in der Tiefe. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Countertenor und, im älteren Sprachgebrauch, Kontratenor. Die Stimmgattung ist keine neue Erfindung: In der Kirchenmusik früherer Jahrhunderte wurden Altpartien regelmäßig von Männern gesungen.
Musikalische Verwendung
Ein großer Teil des Repertoires stammt aus Renaissance und Barock: Altpartien in geistlicher Musik, Solokantaten und zahlreiche Opernrollen, die ursprünglich für hohe Männerstimmen geschrieben wurden. Seit der Wiederbelebung der Alten Musik im 20. Jahrhundert ist der Altus wieder fest etabliert und hat zudem neues Repertoire erhalten. Klanglich unterscheidet er sich von Frauenstimmen derselben Lage durch andere Obertonverhältnisse und eine oft schlankere, klarere Farbe; im Chor ergibt das eine eigene Mischung. Von der Stimmgattung des Kastraten, für die viele Barockopern geschrieben sind, ist der Altus historisch und klanglich zu unterscheiden.
Spielpraxis
Achte auf einen frei fließenden Atem und vermeide Druck, weil die Kopfstimme empfindlich auf Pressen reagiert und dann eng klingt. Übe den Übergang zwischen den Registern gezielt: Die Stelle, an der Brust- und Kopfstimme ineinander übergehen, entscheidet über die Tragfähigkeit der Tiefe. Arbeite an gleichmäßiger Klangfarbe über den ganzen Umfang, damit die Stimme nicht in zwei Bereiche zerfällt. Wähle Repertoire, das zur eigenen Lage passt, statt Partien nach Vorbildern zu übernehmen; die Umfänge unterscheiden sich stark. Wärme die Stimme gründlich und ohne Kraftaufwand ein.
Achte außerdem auf die Textbehandlung: In der Kopfstimme geht Deutlichkeit leichter verloren als in der Bruststimme, weshalb Konsonanten aktiver gebildet werden müssen, ohne den Ton zu unterbrechen. Für Barockrepertoire lohnt die Beschäftigung mit Verzierungspraxis, da vieles nicht ausgeschrieben ist und zur Gestaltung gehört. Prüfe bei Partien, die ursprünglich für andere Stimmgattungen geschrieben wurden, ob eine Transposition sinnvoll ist, und kläre sie mit dem Ensemble. Plane in langen Werken Erholungsphasen, weil dieses Register bei Ermüdung rasch an Tragfähigkeit verliert.