Canarie
Barocker Tanzsatz im schnellen 3/8- oder 6/8-Takt, musikalisch der Gigue verwandt.
Was es bedeutet
Die Canarie ist ein schneller Tanzsatz in dreiteiligem Metrum, meist notiert im 3/8- oder 6/8-Takt, seltener im 3/4-Takt. Ihr Name geht auf einen Tanz zurück, den man sich im 16. und 17. Jahrhundert von den Kanarischen Inseln nach Europa gebracht dachte; ob diese Herkunft historisch zutrifft, ist nicht gesichert.
Musikalisch lässt sich die Canarie von der Gigue kaum unterscheiden: Beide teilen das schnelle Tempo, das zusammengesetzte Metrum und eine springende, punktierte Rhythmik. Häufig beginnt die Canarie mit einem kurzen Auftakt und einer markanten punktierten Figur, die den ganzen Satz durchzieht.
Musikalische Verwendung
Als eigenständiger Satztyp erscheint die Canarie vor allem in französischen und deutschen Instrumentalsuiten des 17. Jahrhunderts, dort meist als eine der optionalen Zusatztänze nach der festen Kernfolge aus Allemande, Courante, Sarabande und Gigue. Sie tritt seltener auf als diese vier Grundsätze und wird oft an deren Stelle oder zusätzlich zur Gigue eingefügt, da beide Formen denselben Charakter eines schnellen Finalsatzes erfüllen.
Abzugrenzen ist die Canarie von der Gigue vor allem begrifflich, nicht klanglich: Wo eine Suite beide Sätze enthält, unterscheiden sie sich oft nur in Nuancen der Rhythmik oder der Satzbezeichnung selbst. Von der Sarabande, dem langsamen, schweren Satz der Suite, hebt sich die Canarie durch ihr rasches Tempo und die leichte, tänzerische Bewegung klar ab.
Spielpraxis
Spiele die punktierten Figuren der Canarie scharf und knapp, nicht verschliffen; die Wirkung des Satzes lebt von der springenden Rhythmik. Halte das Tempo durchgehend leicht und tänzerisch, ohne zu hetzen, und akzentuiere den Taktschwerpunkt deutlich, damit die dreiteilige Gliederung hörbar bleibt.