Zum Inhalt springen
Vortrag

Cantabile

Sanglich, mit weichem Tonansatz.

Was es bedeutet

Cantabile heißt „sanglich" und verlangt, eine Instrumentalstimme so vorzutragen, als würde sie gesungen. Gemeint ist eine Bündelung mehrerer Eigenschaften: gebundene Linien, weicher Tonansatz, eine Dynamik, die dem Melodieverlauf folgt, und ein Atem, der die Phrase gliedert, auch wo kein Atem nötig wäre.

Die Angabe betrifft den Vortrag, nicht das Tempo, und steht meist als Zusatz zu einem Tempowort. Gleichwohl hat sie Folgen für das Tempo: Ein Satz, der singen soll, verträgt keine Eile.

Von legato, das die Bindung der Töne bezeichnet, unterscheidet sich cantabile dadurch, dass es mehr umfasst als die Artikulation. Von affettuoso und amoroso, die eine Empfindung benennen, unterscheidet es sich dadurch, dass es eine Art der Tongebung meint.

Im Notenbild

Das Wort steht kursiv über dem System, meist hinter dem Tempowort, und gilt bis zu einer neuen Angabe. In Klaviernoten kann es über einer einzelnen Stimme stehen und bezeichnet dann, welche Linie als Melodie hervortreten soll — ein wichtiger Hinweis in mehrstimmigen Sätzen.

Musikalische Verwendung

Die Bezeichnung gehört zur Instrumentalmusik seit dem 18. Jahrhundert, in der das Singen als Vorbild des schönen Spiels galt. Sie überschreibt langsame Sätze, Mittelteile und Themen mit ausgeprägter Melodie. In der Klavierliteratur des 19. Jahrhunderts wird das singende Spiel zum Ideal, dem Bauweise und Pedaltechnik des Instruments entgegenkommen.

Das Ideal des Singens prägte die Instrumentalmusik seit dem 18. Jahrhundert. Pianisten versuchen, auf einem Schlaginstrument einen legato-artigen, tragenden Ton zu erzeugen. Streicher und Bläser formen dafür lange Bögen mit gleichmäßigem Atem. ## Spielpraxis

Denke die Melodie mit Atem: Gliedere sie so, wie ein Sänger sie phrasieren würde, und plane die Zäsuren. Führe die Dynamik dem Melodieverlauf nach — aufwärts meist zunehmend, abwärts nachgebend. Halte die Begleitung deutlich leiser, damit die Linie trägt. Und arbeite an den Übergängen zwischen den Tönen; dort entsteht das Singen, nicht in den Tönen selbst.