Cantabile
Cantabile (italienisch „singbar“) verlangt einen gesanglichen Vortrag: Eine Melodie soll klingen, wie sie eine Singstimme gestalten würde. Das Wort steht allein, mit einem Tempowort wie in „Andante cantabile“ oder neben „dolce“.
Singbar spielen
„Cantabile“ ist von „cantare“ („singen“) abgeleitet. Gemeint ist ein melodischer Abschnitt, der nach den Eigenschaften des Gesangs ausgeführt werden soll; auch die Vortragsanweisung heißt so, etwa in „andante cantabile“. Deutsch heißt das „kantabel“, „gesanglich vorgetragen, klingend“. In Instrumentalmusik soll das Spiel die menschliche Stimme nachahmen.
Cantabile: eine singbare Melodie in Bögen
Zwei Bögen tragen die Melodie: der erste über vier Noten, der zweite über drei. Der Schlusston ist eine ganze Note.
Andante cantabile: Melodie über Begleitung
Die Melodie hat sechs Noten, fünf davon unter dem Bogen, dann einen ganzen Schlusston. Die Unterstimme begleitet in sechzehn gleichmäßigen Achteln. Eine Singstimme würde die Melodie tragen, die Begleitung bleibt im Hintergrund.
Cantabile im Notenbild
Das Wort kommt in den Blättern aus dem Archiv in drei Formen vor: allein, mit Tempowort und neben „dolce“.
Gitarre
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Gitarrenschule, Stück Nr. 12 Johann Kaspar Mertz · Gitarre · 1 Seite
Über Takt 1 steht fett „Cantabile“, ohne weitere Tempoangabe. 4/4-Takt, zwei Kreuze, p am Anfang, mit Akkordsymbolen. Das Wort steht hier allein und gibt den Charakter an.
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Old Folks at Home Stephen Foster, bearbeitet von W. L. Hayden · Gitarre · 3 Seiten
Über dem Thema (System „Tema“) steht kursiv „Andante cantabile“, 4/4-Takt, drei Kreuze.
Klavier
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La Pastorale Friedrich Burgmüller, op. 100 Nr. 3 · Klavier · 1 Seite
Über dem Stück steht „Andantino“, 6/8-Takt, ein Kreuz. Unter der Melodie der rechten Hand steht „p“ und kursiv „dolce cantabile“. Später im Stück steht noch einmal „dolce“.
Bei Mertz steht es allein am Anfang, bei Foster als Zusatz zu „Andante“ und bei Burgmüller zusammen mit „dolce“ und p. Cantabile kann also allein stehen oder zu einem Tempowort oder zu „dolce“ treten.
Cantabile und legato
Legato heißt „gebunden“ und bezieht sich darauf, wie die Töne aneinander anschließen. Cantabile nennt einen weiteren Zusammenhang: Die Melodie soll wie gesungen klingen, mit Atem, Phrasen und einer Richtung. Das englische Glossar nennt als Mittel dafür ein maßvolles Tempo und flexibles Legato. Gebundenes Spielen ist also oft ein Teil des Cantabile, aber nicht dasselbe.
Häufige Fehler
- Cantabile mit langsam gleichsetzen: Das Wort schreibt kein bestimmtes Tempo vor; bei Mertz steht keine Tempoangabe dabei.
- Jeden Ton gleich laut spielen: Eine Singstimme formt jede Phrase; gleichmäßiges Anschlagen klingt mechanisch.
- Die Begleitung zu laut spielen: Die Melodie trägt, die Begleitung unterstützt sie.
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Verwandte Begriffe
LegatoDolceEspressivoGraziosoAndantePhrasierungsbogenLegatobogenTempo
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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