Grazioso
Grazioso (italienisch „anmutig“) verlangt einen Vortrag mit Grazie. Das Wort kann allein stehen, neben einem Dynamikzeichen oder als Zusatz zu einem Tempowort wie in „Allegretto grazioso“.
- Bedeutung
- anmutig, mit Grazie
- Sprache
- Italienisch, von lateinisch „gratiosus“
- Steht
- allein, neben p oder hinter einem Tempowort
- Verwandt
- Dolce
Anmutig spielen
„Grazioso“ kommt vom lateinischen „gratiosus“ und ist mit „Grazie“ verwandt. Als Vortragsbezeichnung verlangt es einen anmutigen Vortrag, „mit Grazie“ und Eleganz. Wie schnell gespielt wird, sagt das Wort nicht.
p grazioso, kurze Bögen
Die Zeile hat vier Takte im 3/4-Takt. „grazioso“ steht am ersten Ton neben p. Die ersten beiden Takte tragen je einen Bogen über vier Achteln.
Tempowort mit Zusatz
Hier nennt ein einziger Ausdruck Tempo und Charakter zugleich, so wie in Mozarts Rondo unten. Die vier Takte im 2/4-Takt bestehen aus Achteln und Vierteln.
Drei Arten, wie das Wort steht
Die Blätter aus dem Archiv zeigen drei Möglichkeiten:
Klavier
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Innocence Friedrich Burgmüller, op. 100 Nr. 5 · Klavier · 1 Seite
Über dem Stück steht „Moderato“, im 3/4-Takt mit einem ♭. In Takt 1 steht unter der ersten Sechzehntelgruppe der rechten Hand „p“ und daneben kursiv „grazioso“. Im dritten System folgt nach einem Wiederholungszeichen „p leggiermente“.
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Sonata facile, 3. Satz: Rondo Wolfgang Amadeus Mozart, KV 545 · Klavier · 3 Seiten
Über dem ersten System steht „Rondo - Allegretto grazioso“ (der Untertitel nennt nur „Rondo. Allegretto“). 2/4-Takt, ohne Vorzeichen, p am Beginn. Tempo und Charakter stehen im selben Ausdruck.
Gitarre
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Etüde Nr. 12 Mauro Giuliani, op. 100 Nr. 12 · Gitarre · 2 Seiten
Links vor dem ersten System steht „Grazioso.“ als einzige Angabe, darunter in der Ecke „No. 12. Caprice“. 6/8-Takt, ein Kreuz, in Takt 1 mf. Das Wort gilt für das ganze Stück.
Bei Burgmüller steht „grazioso“ wie „dolce“ bei einem Dynamikzeichen und betrifft den Beginn des Stücks. Bei Giuliani ist es die einzige Angabe vor dem ersten System und gilt für das ganze Stück. Bei Mozart ergänzt es das Tempowort „Allegretto“ im selben Ausdruck.
Grazioso und dolce
Beide Wörter beschreiben den Charakter, aber verschieden: Dolce meint den weichen, sanften Klang, grazioso Anmut und Eleganz. Zusammen können sie vorkommen, sie ersetzen sich aber nicht. Ein Stück, das „grazioso“ verlangt, darf durchaus mf beginnen, wie bei Giuliani.
Häufige Fehler
- Grazioso als Tempo lesen: Es nennt den Charakter. Das Tempo gibt bei Mozart das Wort „Allegretto“ an.
- Zu leise spielen: Anmut ist keine Lautstärke; Giuliani schreibt mf.
- Steif spielen: Anmutig heißt flüssig und leicht, nicht zaghaft.
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Verwandte Begriffe
DolceEspressivoCantabileLegatoPianoTempoAllegroCon moto
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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