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Theorie

Heterophonie

Heterophonie nennt man das gleichzeitige Erklingen mehrerer Varianten einer Melodie. Alle Stimmen folgen derselben Linie, aber jede schmückt sie auf ihre Weise aus oder weicht leicht von ihr ab.

Merkmal
dieselbe Melodie gleichzeitig in Varianten
Stimmen
gleichberechtigt, keine Begleitung
Gegenstück
Homophonie
Verwandt
Monophonie, Kontrapunkt

Eine Melodie, viele Gestalten

Bei der Heterophonie gibt es keine Melodie mit Begleitung und keine Stimmen, die verschiedene Melodien singen. Es gibt nur eine Melodie, aber sie erklingt in mehreren Fassungen zugleich. Die eine Stimme spielt sie schlicht, eine andere umspielt sie mit Durchgangstönen, Verzierungen oder Wiederholungen, eine dritte bleibt auf einem Ton länger oder wiederholt ihn. Die Stimmen sind gleichberechtigt: Keine ist nur Begleitung.

Eine Melodie, zwei Fassungen: oben schlicht, unten verziert

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Beide Stimmen treffen sich auf den Schlägen und gehen dazwischen eigene Wege. Wo die untere Stimme Töne hinzufügt, hört man dieselbe Melodie, nur lebhafter. Zusammen ergibt das keinen Akkord, sondern ein dichteres, leicht verschwimmendes Bild einer einzigen Linie.

Abgrenzung

Im Unisono spielen alle Stimmen exakt dasselbe; Heterophonie unterscheidet sich davon durch die Abweichungen. Im Kanon setzen die Stimmen zeitversetzt mit derselben Melodie ein, in der Heterophonie sind sie im Wesentlichen gleichzeitig unterwegs. In der Polyphonie führen die Stimmen eigenständige Melodien, in der Homophonie trägt eine Stimme die Melodie, die anderen begleiten sie mit Akkorden. Die Heterophonie liegt also zwischen Monophonie, einer einzigen Linie, und Mehrstimmigkeit mit eigenständigen Stimmen.

Wo man sie hört

Heterophonie ist keine Erfindung der europäischen Kunstmusik. Sie begegnet in der traditionellen Musik vieler Kulturen, etwa in der Gamelanmusik Indonesiens. Dort umspielen mehrere Instrumente dieselbe Grundmelodie jeweils auf ihre Art. Auch beim gemeinsamen Singen ohne Chorsatz entstehen oft Varianten, wenn jede Sängerin und jeder Sänger die Melodie leicht anders singt.

Zum Üben: Spiele mit einer zweiten Person dieselbe einfache Melodie, zum Beispiel ein Volkslied. Eine Person spielt sie schlicht, die andere fügt zwischen den Schlägen Durchgangstöne hinzu, ohne die Schläge zu verlassen. Höre darauf, wie die beiden Fassungen einander tragen und wo sie auseinanderlaufen.

Häufige Fehler

  • Heterophonie mit Mehrstimmigkeit gleichsetzen: Es gibt keine eigene zweite Melodie und keine Akkorde, nur Varianten der einen.
  • Zu weit von der Melodie abweichen: Dann entsteht Polyphonie. Die Ausschmückungen bleiben nah an der Hauptlinie.
  • Eine Stimme als Begleitung behandeln: In der Heterophonie sind alle Stimmen gleichberechtigt.