Hornquinten
Charakteristische Folge der Naturhornliteratur.
Was es bedeutet
Hornquinten heißt eine zweistimmige Wendung, in der zwei Stimmen gleichgerichtet fortschreiten, und zwar von unten kommend aus einer Sexte in eine Quinte oder von oben kommend aus einer Terz in eine Quinte. Sie entsteht aus den Möglichkeiten des Naturhorns: Dieses verfügt nur über die Töne der Obertonreihe, und in der mittleren Lage liegen die verfügbaren Töne so, dass sich genau solche Fortschreitungen ergeben. Was zunächst eine Einschränkung des Instruments war, wurde zu einer Klangfigur mit eigenem Wiedererkennungswert.
Musikalische Verwendung
Der Satzlehre stellt diese Wendung eine Ausnahme dar. Quintparallelen gelten im strengen Satz als verboten, weil sie die Selbständigkeit der Stimmen aufheben; die Hornquinten sind jedoch verdeckte Quinten, bei denen die Quinte nur am Ziel der gleichgerichteten Bewegung steht, und gelten deshalb in der Satzlehre als Ausnahme vom Verbot — jedenfalls dort, wo sie im gewohnten Klangzusammenhang stehen. Ihre Wirkung ist unverwechselbar: Sie rufen die Vorstellung des Horns und damit ein ganzes Umfeld auf — Jagd, Wald, Ferne, Naturlaut —, auch wenn gar kein Horn spielt. Komponisten der Klassik und Romantik setzten sie in dieser Bedeutung auch in Streichersätzen und am Klavier ein.
Mit der Einführung der Ventile verlor das Horn seine Beschränkung auf die Naturtöne, doch die Figur blieb als Stilmittel erhalten.
Abzugrenzen sind die Hornquinten von gewöhnlichen Quintparallelen: Entscheidend sind die verdeckte Quintführung und der Zusammenhang, in dem die Wendung steht.
Spielpraxis
Wenn dir diese Wendung begegnet, behandle sie als Klangfarbe und nicht als zwei getrennte Stimmen: Beide Töne gehören zusammen, gleich laut und gleich artikuliert, damit der Hornklang entsteht. Spiele sie ruhig und ohne Drängen — die Wirkung liegt in der Offenheit des Klangs. Bei Naturhornliteratur lohnt der Blick auf die Obertonreihe des jeweiligen Stimmtons; sie erklärt, warum eine Stelle so und nicht anders aussieht.