Schleifer
Aufsteigende Vorschlagsfigur.
Was es bedeutet
Der Schleifer ist eine Verzierung aus zwei oder mehr Tönen, die stufenweise auf den Hauptton zuführen — in der Regel von unten. Er gehört damit zu den Vorschlagsfiguren: Die Töne gehen dem Hauptton voraus und leiten zu ihm hin.
Der englische Name lautet slide, der französische coulé. Alle drei bezeichnen dieselbe Figur.
Zu unterscheiden ist der Schleifer vom einzelnen Vorschlag, der nur einen Ton voranstellt, und vom Doppelschlag, der den Hauptton von beiden Seiten umspielt. Vom Glissando unterscheidet er sich grundlegend: Dort wird zwischen zwei Tönen gleitend verbunden, hier werden bestimmte Tonstufen einzeln ausgeführt.
Ob die Figur auf oder vor der Zählzeit beginnt, hängt von Stil und Epoche ab; in der Musik des Barock liegt sie überwiegend auf der Zählzeit.
Im Notenbild
Notiert wird der Schleifer als Gruppe kleiner Noten vor dem Hauptton, häufig mit durchgestrichenem Balken und durch einen Bogen mit ihm verbunden. In älterer Musik erscheint stattdessen ein eigenes Zeichen, dessen Bedeutung der Verzierungstabelle der Ausgabe zu entnehmen ist. Moderne Ausgaben schreiben die Figur meist aus.
Musikalische Verwendung
Der Schleifer gibt dem Hauptton einen Anlauf und damit Nachdruck, ohne ihn zu betonen. Er ist in der Musik des Barock und der Wiener Klassik verbreitet, besonders bei Sprüngen und an Motivanfängen. In der Vokalmusik dient er dazu, eine Silbe weich anzusetzen; in der Instrumentalmusik gibt er Melodien Schwung.
Carl Philipp Emanuel Bach behandelt ihn in seinem Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen von 1753. Er steht auf der Zählzeit und wird schnell ausgeführt. ## Spielpraxis
Führe die Vorschlagstöne leicht aus und betone den Hauptton, nicht die Figur. Halte sie knapp, damit der Zielton rechtzeitig kommt. Prüfe, ob die Figur auf oder vor der Zählzeit liegen soll, und entscheide dich, bevor du übst. Und achte darauf, dass alle Töne der Figur gleichmäßig sind — der erste gerät leicht zu lang.