Ungerader Takt
Taktart mit ungleichen Gruppen, etwa 5/8 oder 7/8; häufig in der Volksmusik des Balkans.
Was es bedeutet
Als ungerade oder asymmetrische Takte bezeichnet man Taktarten, deren Zählzeiten sich nicht in gleich große Gruppen teilen lassen — etwa 5/8, 7/8, 5/4 oder 11/8. Der Takt zerfällt dann in ungleiche Teile: 5/8 in 2+3 oder 3+2, 7/8 in 2+2+3, 3+2+2 oder 2+3+2.
Die Gliederung ist der Kern der Sache. Die Taktangabe allein sagt nur, wie viele kleine Werte ein Takt enthält; wie sie gruppiert sind, ergibt sich aus der Musik und kann wechseln. Darin liegt der Unterschied zu den zusammengesetzten Takten wie 6/8 oder 9/8, deren Gruppen alle gleich groß sind, und zu den einfachen Takten mit gleichmäßiger Zählzeit.
Der Begriff „ungerade" bezieht sich also auf die ungleichen Gruppen, nicht allein auf eine ungerade Zahl im Zähler: Ein Dreivierteltakt hat zwar drei Zählzeiten, aber gleich lange, und gilt deshalb nicht als asymmetrisch.
Im Notenbild
Die Balkung zeigt die Gliederung an, indem sie die Achtel zu den gemeinten Gruppen zusammenfasst. Manche Ausgaben schreiben die Einteilung ausdrücklich über die Taktangabe, etwa als 3+2+2, andere setzen gestrichelte Striche innerhalb des Takts. Wo die Gliederung wechselt, ändert sich auch die Balkung.
Musikalische Verwendung
In der Volksmusik mehrerer Regionen, besonders auf dem Balkan und in der Türkei, sind solche Takte seit langem gebräuchlich und mit bestimmten Tänzen verbunden. In die Kunstmusik gelangen sie vereinzelt früher, verbreitet aber erst im späten 19. und im 20. Jahrhundert, teils durch die Beschäftigung mit Volksmusik, teils aus dem Wunsch, die metrische Regelmäßigkeit zu verlassen. Auch in Jazz und populärer Musik sind sie als rhythmisches Mittel verbreitet.
Spielpraxis
Bestimme zuerst die Gruppierung und zähle sie in Gruppen, nicht bis zur Gesamtzahl: „eins zwei, eins zwei drei" trägt weiter als „eins bis fünf". Markiere die Gruppenanfänge deutlich, sie halten den Takt zusammen. Übe langsam, bis das Muster körperlich sitzt, bevor du das Tempo steigerst. Und achte auf Stellen mit wechselnder Gliederung — dort liegen die meisten Fehler.