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Harmonik

Antizipation

Die Antizipation ist ein akkordfremder Ton, der einen Ton des nächsten Akkords vorwegnimmt. Er erklingt kurz vor dem Akkordwechsel auf unbetonter Zeit und wird beim Wechsel einfach wiederholt. Man hört sie oft am Schluss einer Melodie.

Bedeutung
Vorwegnahme eines Tons des folgenden Akkords
Betonung
unbetont, kurz vor dem Akkordwechsel
Gegenstück
Vorhalt (Ton des alten Akkords bleibt liegen)
Typisch am
Schluss einer Melodie, vor der Tonika

Zu früh angekommen

Eine Melodie bewegt sich oft schneller als die Akkorde darunter. Dann erreicht sie einen Ton des neuen Akkords, bevor der alte vorbei ist. Dieser Ton ist über dem alten Akkord akkordfremd, aber nur für kurze Zeit: Beim Wechsel steht er schon da und wird einfach wiederholt. Das Beispiel zeigt es am Schluss eines Stücks, von der Dominante zur Tonika.

Antizipation am Schluss, G-Dur → C-Dur

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Über dem G-Dur-Akkord (g–h–d) erklingen d, d und h. Das letzte Viertel c gehört schon zum folgenden C-Dur-Akkord, kommt aber eine Zählzeit zu früh: Es ist die Antizipation. Beim Akkordwechsel auf der Eins des nächsten Takts wird das c wiederholt.

Abgrenzung

Beim Vorhalt bleibt ein Ton des alten Akkords liegen und löst sich auf. Bei der Antizipation kommt ein Ton des neuen Akkords vorzeitig. Die Wechselnote dagegen kehrt zu ihrem Ausgangston zurück, siehe Wechselnote. Die drei Begriffe beschreiben verschiedene Beziehungen zwischen einem Ton und den Akkorden: nachklingen, vorwegnehmen und umspielen.

Weil die Antizipation unbetont ist und beim Wechsel nur wiederholt wird, wirkt sie leicht und eilig, ohne den Schluss zu stören. Im Ganzschluss steht sie oft kurz vor dem letzten Akkord.

Zum Üben: Spiele das Beispiel und danach dieselbe Melodie ohne das vorgezogene c, indem du das vierte Viertel durch d ersetzt. Der Unterschied ist klein, aber hörbar: Ohne den vorgezogenen Ton klingt der Schluss gerader.

Häufige Fehler

  • Antizipation mit Vorhalt verwechseln: Der Vorhalt hält zurück, die Antizipation eilt voraus.
  • Den vorgezogenen Ton betonen: Er steht auf der unbetonten Zählzeit.
  • Zu lange Vorwegnahme: Je länger der Ton vor dem Wechsel erklingt, desto mehr wirkt er schon wie ein Teil des neuen Akkords und nicht mehr wie eine flüchtige Vorwegnahme.