Arie
Solistisches Gesangsstück mit Begleitung, v. a. in Oper, Oratorium und Kantate.
Was es bedeutet
Eine Arie ist ein für eine Singstimme mit instrumentaler Begleitung komponiertes Gesangsstück, das innerhalb eines größeren Werks steht, vor allem in Oper, Oratorium und Kantate. Anders als das Rezitativ, das die Handlung mit sprechnahem Gesang vorantreibt, hält die Arie den Handlungsablauf an, um einen inneren Zustand, ein Gefühl oder eine Reflexion der singenden Figur auszubreiten.
Musikalisch ist die Arie in sich geschlossen: Sie hat eine eigene Melodik, eine feste Form und meist einen deutlich abgesetzten Schluss, oft mit Beifall des Publikums bedacht.
Musikalische Verwendung
Die klassische Form der Barockoper ist die Da-capo-Arie: Ein erster Teil wird nach einem kontrastierenden Mittelteil wiederholt, wobei die Sängerin oder der Sänger die Wiederholung mit Verzierungen ausschmückt. Komponisten wie Händel und Bach nutzten dieses Schema, um einen einzelnen Affekt, etwa Trauer, Zorn oder Freude, in aller Ausführlichkeit zu entfalten.
In der Oper des 19. Jahrhunderts lockerte sich das strenge Schema zugunsten freierer, dramatisch zugespitzter Formen, ohne dass die Arie ihre Funktion als musikalischer Höhepunkt verlor. Virtuose Arien, die technische Brillanz und Koloraturen in den Vordergrund stellen, werden häufig als Bravourarien bezeichnet.
Abzugrenzen ist die Arie vom Rezitativ, das textnah und ohne feste musikalische Form die Handlung erzählt, sowie vom Arioso, einer Zwischenform mit melodischeren Zügen als das Rezitativ, aber ohne die geschlossene Form der Arie. Von der Ariette unterscheidet sich die Arie durch größeren Umfang und höheren Anspruch.
Auch außerhalb der Bühne hat die Arie ihren Platz behalten: Konzertarien, für den Konzertsaal statt für eine Opernhandlung komponiert, sowie einzelne, aus ihrem Werkzusammenhang gelöste Arien gehören bis heute zum festen Repertoire von Gesangsabenden.
Spielpraxis
Achte beim Singen oder Begleiten einer Arie auf den einen zentralen Affekt, den das Stück trägt, und lass ihn über die gesamte Dauer wirken, statt ihn durch ständige Ausdruckswechsel zu verwässern. Bei einer Da-capo-Arie gestaltest du die Wiederholung des ersten Teils bewusst anders als beim ersten Mal, etwa durch Verzierungen, ohne die Grundmelodie zu verlieren.