Auflösungszeichen
Quadratisches Zeichen ♮, hebt Versetzungszeichen auf.
Was es bedeutet
Das Auflösungszeichen nimmt eine vorher gültige Erhöhung oder Erniedrigung zurück und stellt den Stammton wieder her. Es ist damit kein eigenes Vorzeichen im Sinne einer Veränderung, sondern dessen Widerruf: Ein durch das Generalvorzeichen erniedrigtes h wird durch das Auflösungszeichen wieder zum h, ein erhöhtes f wieder zum f. Seine Reichweite entspricht der eines Versetzungszeichens — es gilt für den betroffenen Ton in seiner Oktavlage bis zum Ende des Taktes.
Im Notenbild
Das Zeichen besteht aus einem offenen quadratischen Gebilde mit zwei überstehenden Strichen und steht wie jedes Vorzeichen unmittelbar links vor dem Notenkopf, auf dessen Linie oder in dessen Zwischenraum. Nach einem Doppelkreuz oder einem Doppel-B genügt in der heutigen Praxis ein einzelnes Auflösungszeichen, um den Stammton wiederherzustellen; ältere Ausgaben kennen dafür abweichende Schreibungen. Wechselt die Tonart, erscheint das Auflösungszeichen mitunter auch in der Generalvorzeichnung, um entfallende Vorzeichen anzuzeigen. Als Warnungs- oder Vorsichtszeichen steht es gelegentlich in Klammern, wo eigentlich keines nötig wäre.
Musikalische Verwendung
Praktisch ist das Auflösungszeichen der Schlüssel zur gesamten Chromatik im notierten Satz: Ohne es ließe sich eine kurzzeitige Ausweichung nicht wieder zurücknehmen. In Moll begegnet es regelmäßig, wenn die in der harmonischen Form erhöhte siebte Stufe in der abwärts geführten melodischen Form wieder zurückgenommen wird. Bei Zwischendominanten und alterierten Akkorden sorgt es dafür, dass nach dem Ausflug die leitereigene Lage wieder eindeutig ist. In chromatisch dichten Passagen kann ein einziges fehlendes Auflösungszeichen den harmonischen Sinn einer Stelle verändern.
Spielpraxis
Vergewissere dich bei jedem Auflösungszeichen, welcher Ton eigentlich gemeint ist — es sagt nicht „höher" oder „tiefer", sondern nur „zurück zum Stammton", und die Richtung hängt davon ab, was vorher galt. Denke daran, dass die Gültigkeit mit dem Taktstrich endet: Im nächsten Takt gilt wieder die Generalvorzeichnung, auch ohne neues Zeichen. Bei schnellen chromatischen Läufen hilft es, die Stelle einmal langsam und laut mit Tonnamen zu sprechen, bevor du sie greifst.