Blues-Tonleiter
Moll-Pentatonik mit zusätzlicher verminderter Quinte, der Blue Note.
Was es bedeutet
Die Blues-Tonleiter besteht aus der Moll-Pentatonik — Grundton, kleine Terz, Quarte, Quinte, kleine Septime — und einem zusätzlichen Ton zwischen Quarte und Quinte, der als verminderte Quinte geschrieben wird. Dieser Zusatzton heißt Blue Note. Insgesamt ergeben sich damit sechs Töne.
Musikalische Verwendung
Der Besonderheit dieser Skala liegt darin, dass sie mit einer Begleitung zusammengeht, die überwiegend aus Durakkorden besteht. Die kleine Terz der Melodie trifft dabei auf die große Terz der Harmonie — eine Reibung, die nicht als Fehler, sondern als Kern des Klangs empfunden wird. Ebenso verhält es sich mit der Blue Note: Sie verlangt keine Auflösung wie eine gewöhnliche Dissonanz, sondern bleibt als Färbung stehen oder wird durchschritten.
Die Notation gibt zudem nur annähernd wieder, was tatsächlich erklingt. In der gelebten Praxis liegen die betreffenden Töne häufig nicht genau auf den temperierten Stufen, sondern dazwischen, und werden durch Ziehen, Gleiten und Beugen der Tonhöhe gestaltet. Die Skala ist deshalb weniger eine feste Tonleiter als eine Beschreibung eines Tonvorrats, dessen Ausführung beweglich ist.
Abzugrenzen ist sie von der Moll-Pentatonik, der sie nur einen Ton hinzufügt, und von der mixolydischen Tonleiter, die in derselben Musik ebenfalls eine Rolle spielt, aber eine große Terz enthält.
Die Blue Notes lassen sich im temperierten System nur annähernd darstellen. Gesungen und auf Gitarre oder Blasinstrumenten gespielt, liegen die erniedrigte Terz, Quinte und Septime oft zwischen den Tönen des Klaviers, und die Töne werden gezogen oder angeschliffen. Die Blues-Tonleiter ist deshalb eher ein Vorrat charakteristischer Töne als eine feste Skala. Über den Dur-Akkorden des Blues-Schemas entsteht eine bewusste Reibung zwischen kleiner Terz der Melodie und großer Terz der Begleitung. ## Spielpraxis
Behandle die Blue Note nicht als Durchgangston, den man rasch verlässt, sondern als Farbe, die Zeit braucht. Auf Instrumenten mit beweglicher Tonhöhe arbeite mit Ziehen und Gleiten statt mit exakten Halbtönen; auf dem Klavier hilft es, benachbarte Töne dicht nacheinander zu setzen. Höre Aufnahmen und ahme nach — diese Musik lebt aus einer Praxis, die sich nur begrenzt notieren lässt.