Decim
Intervall einer Dezime, neun diatonische Stufen.
Was es bedeutet
Die Dezime ist das Intervall aus zehn Tonleiterstufen, gerechnet mit Ausgangs- und Zielton — also eine Terz plus eine Oktave. Wie die Terz gibt es sie in großer und kleiner Form; die große Dezime umfasst sechzehn, die kleine fünfzehn Halbtöne. Die Schreibung „Decim" steht hier für dasselbe Intervall, das gewöhnlich Dezime heißt.
Musikalische Verwendung
Intervalle, die größer als die Oktave sind, heißen zusammengesetzt; sie entsprechen in ihrer Wirkung dem Grundintervall, klingen aber offener und durchsichtiger, weil die Töne weiter auseinanderliegen. Eine Terz in enger Lage klingt dicht und kann in tiefer Lage trüb werden — dieselbe Terz als Dezime gesetzt klingt klar. Diese Beobachtung ist für den Satz praktisch bedeutsam: Weite Lage empfiehlt sich besonders in tiefen Registern.
Im Generalbass und in der Satzlehre werden zusammengesetzte Intervalle häufig auf ihre einfache Form zurückgeführt; die Bezifferung 10 wird dementsprechend wie eine 3 behandelt. Für die Stimmführungsregeln gilt dasselbe: Parallele Dezimen sind Terzparallelen und erlaubt, parallele Duodezimen dagegen Quintparallelen und verboten.
Als Griffweite ist die Dezime auf Tasteninstrumenten eine bekannte Schwierigkeit, weil sie größer als die Oktave ist; entsprechende Stellen werden je nach Handgröße gebrochen gespielt oder anders verteilt.
In der Harmonik tritt die Dezime oft an die Stelle der Terz, wenn Bass und Oberstimme weit auseinanderliegen; im zweistimmigen Satz sind Dezimenparallelen erlaubt und wirken voll und klar. Auf dem Klavier gilt die Dezime als Grenze dessen, was eine Hand greifen kann, weshalb sie in der Literatur oft gebrochen notiert oder durch Arpeggio ausgeführt wird. Im Kontrapunkt spielt der doppelte Kontrapunkt der Dezime eine Rolle, bei dem eine Stimme um eine Dezime versetzt wird. ## Spielpraxis
Erfasse große Intervalle nicht durch Abzählen der Linien, sondern über die Oktave: Erkenne den Grundton und die Terz darüber, und der Abstand ist sofort klar. Bei Griffweiten über die Oktave hinaus prüfe, ob das Brechen des Akkords als Lösung angemessen ist — in vielen Ausgaben ist es ausdrücklich vorgesehen. Und nutze die weite Lage beim Arrangieren, wenn ein tiefer Satz trüb klingt.