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Intervall

Komplementärintervall

Das Intervall, das ein gegebenes zur Oktave ergänzt — Quarte und Quinte etwa.

Was es bedeutet

Das Komplementärintervall ist dasjenige Intervall, das ein gegebenes zur Oktave ergänzt. Quarte und Quinte ergänzen einander, ebenso Terz und Sexte, Sekunde und Septime, Prime und Oktave. Es ist damit dasselbe wie das Ergebnis der Intervallumkehrung, von einer anderen Seite betrachtet: Dort wird ein Ton versetzt, hier wird nach der fehlenden Größe gefragt.

Musikalische Verwendung

Die Regel ist einfach und gilt ausnahmslos: Die Zahlen zweier komplementärer Intervalle ergeben zusammen neun, und ihre Bestimmung kehrt sich um — groß wird klein, übermäßig wird vermindert, rein bleibt rein. Eine große Terz ergänzt sich zur kleinen Sexte, eine reine Quarte zur reinen Quinte, eine übermäßige Quarte zur verminderten Quinte.

Praktisch ist das aus mehreren Gründen nützlich. Beim Singen lässt sich ein unbequemer weiter Sprung über sein Komplement herleiten: Eine Sexte aufwärts entspricht einer Terz abwärts plus Oktave. Beim Bestimmen im Notenbild lässt sich ein großes Intervall auf sein kleineres Gegenstück zurückführen. Und in der Satzlehre erklärt die Beziehung, warum bestimmte Intervalle gemeinsam bewertet werden: Terz und Sexte sind beide unvollkommene Konsonanzen, Sekunde und Septime beide Dissonanzen.

Im Kontrapunkt beruht die doppelte Führung zweier Stimmen auf demselben Prinzip: Werden die Stimmen vertauscht, verwandelt sich jedes Intervall in sein Komplement — weshalb Quinten dabei zu Quarten werden und die Stelle neu geprüft werden muss.

Die Summe zweier komplementärer Intervalle ergibt stets eine Oktave, ihre Stufenzahlen ergänzen sich zu neun. Komplementärintervalle entstehen durch Umkehrung. Qualität und Klangverwandtschaft stehen dabei in festem Verhältnis: Reine Intervalle bleiben rein, große werden klein, übermäßige werden vermindert. In der Analyse ist dieser Zusammenhang hilfreich, weil umgekehrte Intervalle als gleichwertig behandelt werden können. ## Spielpraxis

Nutze die Regel beim Gehörtraining: Übe jedes Intervall gemeinsam mit seinem Komplement, auf- und abwärts. Bei schwierigen Sprüngen denke das Komplement in der Gegenrichtung — das trifft sicherer als der Versuch, den weiten Abstand direkt zu hören.