Terzdezime
Ältere Bezeichnung für die Tredezime, Sexte plus Oktave.
Was es bedeutet
Terzdezime ist eine ältere, aus der Harmonielehre des 19. Jahrhunderts überlieferte Bezeichnung für die Tredezime, also die Sexte plus Oktave (13 Stufen, etwa c–a'). Der Name meint entgegen dem ersten Anschein nicht „Terz plus Oktave" — das wäre die Dezime, ein eigenes Stichwort im Glossar.
Musikalische Verwendung
Zusammengesetzte Intervalle — solche, die über die Oktave hinausreichen — entsprechen in ihrer Bestimmung dem jeweiligen Grundintervall, klingen aber offener und durchsichtiger, weil die Töne weiter auseinanderliegen. Eine Terz in tiefer enger Lage klingt trüb; dieselbe Terz als Dezime gesetzt bleibt klar. Für den Satz ist das eine praktische Regel: In tiefen Registern empfiehlt sich weite Lage.
In der Satzlehre und im Generalbass werden zusammengesetzte Intervalle in der Regel auf ihre einfache Form zurückgeführt — für die Stimmführungsregeln zählt die Dezime als Terz, die Duodezime als Quinte. Daraus folgt unmittelbar, dass parallele Dezimen erlaubt und parallele Duodezimen verboten sind.
In der Akkordlehre des Jazz werden Erweiterungen dagegen ausdrücklich als None, Undezime und Tredezime benannt, weil ihre Lage über dem Septakkord für den Klang entscheidend ist. Dort ist die Unterscheidung zwischen Sexte und Tredezime keine Formsache.
Im älteren Terzdezimenakkord erscheint das Intervall als Dissonanz über liegendem Bass und löst sich stufenweise abwärts auf, meist in die Quinte oder Duodezime des Grundtons; darin ähnelt sie der heutigen, im Jazz als Optionston 13 bekannten Tredezime in Dominantakkorden, deren Klang voll und leicht schwebend wirkt.
Spielpraxis
Erfasse weite Intervalle über die Oktave: Erkenne das Grundintervall und füge die Oktave hinzu, statt Linien abzuzählen. Nutze weite Lage, wenn ein tiefer Satz trüb klingt. Und achte bei Akkorderweiterungen darauf, dass die hinzugefügten Töne oben liegen, damit der Klang durchsichtig bleibt.