Zum Inhalt springen
Theorie

Hohe Lage

Hoher Tonraum eines Instruments.

Was es bedeutet

Als hohe Lage bezeichnet man den oberen Bereich des Tonumfangs eines Instruments oder einer Stimme. Der Begriff ist relativ: Was für einen Kontrabass hoch ist, liegt für eine Flöte in der Mitte. Bei Streichinstrumenten hat „Lage" zusätzlich eine technische Bedeutung — sie bezeichnet die Stellung der Greifhand auf dem Griffbrett, gezählt von der ersten Lage aufwärts.

Im Notenbild

Hohe Lagen verlangen Hilfslinien oder besondere Schreibweisen. Um beides erträglich zu halten, wechseln Instrumente mit weitem Umfang den Schlüssel: Violoncello und Fagott gehen vom Bass- in den Tenor- und weiter in den Violinschlüssel. Alternativ wird ein Oktavierungszeichen über die Passage gesetzt, das bis zum Vermerk loco gilt. Bei Streichern zeigen römische Ziffern oder Fingersatzangaben die Lage an, bei Blechbläsern gelegentlich Hinweise zur Griffwahl.

Musikalische Verwendung

Mit der Lage ändert sich mehr als die Tonhöhe. Die Klangfarbe wird heller und schlanker, die Tragfähigkeit nimmt zu, die Ansprache wird empfindlicher, und die Intonation verlangt mehr Aufmerksamkeit, weil die Abstände auf dem Griffbrett kleiner werden und bei Bläsern die Obertöne dichter beieinanderliegen. Komponisten setzen hohe Lagen deshalb gezielt ein: für Höhepunkte, für Zartheit, für Spannung. In der Balance eines Ensembles tragen hohe Töne weiter, sodass dieselbe Dynamikangabe in hoher Lage lauter wirkt.

Die hohe Lage ist bei jedem Instrument und jeder Stimme anders begrenzt und hat eigene klangliche Merkmale: Bei Streichern wird der Klang heller und dünner, bei Blechbläsern strahlender und anstrengender, bei Sängern verändert sich Vokalfarbe und Textverständlichkeit. In der Orchestrierung wird die hohe Lage für Glanz und Spannung eingesetzt. ## Spielpraxis

Bereite den Weg in die Höhe vor, statt ihn zu erzwingen: Bei Streichern gehört zum Lagenwechsel die Bewegung des ganzen Arms und ein rechtzeitiges Ohr für den Zielton; bei Bläsern und Sängern entscheidet die Stütze, nicht der Druck. Übe hohe Stellen langsam und leise, bevor du sie im Tempo und in der geforderten Dynamik nimmst. Prüfe die Intonation gegen einen tieferen Bezugston, nicht isoliert. Und nimm die Dynamik in hoher Lage eher zurück — sie trägt ohnehin.