Interferenz
Interferenz heißt, dass sich zwei Schallwellen überlagern und ihre Ausschläge sich addieren. Treffen Wellenberge auf Wellenberge, verstärkt sich der Schall, treffen Berge auf Täler, löscht er sich ganz oder teilweise aus. Aus der Interferenz zweier fast gleicher Töne entsteht die Schwebung.
- Prinzip
- Überlagerung: die Auslenkungen addieren sich
- Verstärkung
- Wellen im gleichen Takt (gleiche Phase)
- Auslöschung
- Wellen im Gegentakt (Gegenphase)
- Schwebung
- Differenz der beiden Frequenzen in Hertz
- Verwandt
- Schwingung, Welle, Resonanz
Wellen addieren sich
Schall besteht aus Druckschwankungen der Luft, die als Wellen vom Instrument zum Ohr laufen. Treffen zwei Wellen am selben Ort zusammen, addieren sich ihre Auslenkungen. Das nennt man Interferenz. Stehen beide im gleichen Takt, also in gleicher Phase, ergibt sich eine größere Welle: konstruktive Interferenz. Stehen sie im Gegentakt, hebt der eine Ausschlag den anderen auf: destruktive Interferenz. Bei zwei gleich lauten Tönen derselben Frequenz kann das zur völligen Stille an dieser Stelle führen.
Diese Auslöschung nutzt man technisch bei Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung, die den Lärm aufnehmen und mit gegenphasigem Schall überlagern. Sie ist auch der Grund, warum zwei Lautsprecher mit vertauschter Polung bei tiefen Tönen dünn klingen können.
Aus Interferenz wird Schwebung
Haben zwei Töne fast, aber nicht genau dieselbe Frequenz, wandern sie langsam aus dem Takt. Mal liegen die Wellenberge übereinander, mal gegeneinander. Das Ohr hört darum ein regelmäßiges Anschwellen und Abschwellen der Lautstärke, die Schwebung. Ihre Frequenz ist einfach die Differenz der beiden Töne in Hertz: 440 Hz und 442 Hz pulsieren zweimal pro Sekunde, wie auch die Seite Cent feststellt. Die Tabelle rechnet vier Fälle durch und gibt zum Vergleich den Abstand in Cent an.
| Zwei Töne | Frequenzunterschied | Schwebungen pro Sekunde | Abstand in Cent |
|---|---|---|---|
| 440 Hz und 441 Hz | 1 Hz | 1 | etwa 4 |
| 440 Hz und 442 Hz | 2 Hz | 2 | etwa 8 |
| 440 Hz und 444 Hz | 4 Hz | 4 | etwa 16 |
| 440 Hz und 448 Hz | 8 Hz | 8 | etwa 31 |
Die Cent-Werte folgen aus dem Frequenzverhältnis: 442 zu 440 ergibt 1200 mal den Zweierlogarithmus von 442/440, also gut 7,8 Cent. Zwei Schläge pro Sekunde hört man deutlich. Wer eine Gitarre stimmt, nutzt die Schwebung: Er dreht, bis das Pulsieren zweier Saiten immer langsamer wird und schließlich verschwindet.
Interferenz in der Stimmung
Auch in der Stimmung begegnet man ihr. Auf einem gleichstufig gestimmten Klavier schweben große Terzen hörbar, weil sie nicht ganz rein sind. Dort sind es nicht zwei Töne, sondern deren Obertöne, die dicht beieinanderliegen und miteinander interferieren. Mehr dazu steht im Artikel Warum dein Klavier leicht verstimmt ist.
Häufige Fehler
- Schwebung mit Vibrato verwechseln: Vibrato ist eine gewollte Tonhöhenschwankung eines einzelnen Tons. Eine Schwebung entsteht aus zwei Tönen.
- Annehmen, Auslöschung zerstöre Energie: Sie verschiebt sie nur an andere Stellen im Raum.
- Schwebungen in Cent statt in Hertz zählen: Die Pulse pro Sekunde entsprechen der Frequenzdifferenz in Hertz, nicht dem Abstand in Cent.
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Verwandte Begriffe
SchwebungSchwingungWelleResonanzCentKombinationstonObertonreiheKammertonStimmgabel
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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