Leittonwechselklang
Akkord, der entsteht, wenn in Dur der Grundton einen Halbton abwärts, in Moll die Quinte einen Halbton aufwärts rückt (C-Dur → e-Moll).
Was es bedeutet
Der Leittonwechselklang ist ein Begriff der von Hugo Riemann geprägten Funktionstheorie. Er bezeichnet einen Klang, der aus dem Tonikadreiklang hervorgeht, indem ein einziger Ton um einen Halbton verschoben wird: In Dur wandert der Grundton einen Halbton abwärts, in Moll die Quinte einen Halbton aufwärts.
In C-Dur ergibt sich so aus der Tonika c-e-g der Klang e-g-h, also der Dreiklang von e-Moll. In a-Moll ergibt sich aus a-c-e der Klang a-c-fis, also der Dreiklang von F-Dur. Der Leittonwechselklang teilt mit der Tonika zwei von drei Tönen und wirkt dadurch als deren nächster tonartverwandter Klang.
Musikalische Verwendung
In der deutschen Funktionstheorie wird der Leittonwechselklang mit dem Kürzel Tl (für Dur) beziehungsweise tG (für Moll) neben Tonikaparallele und Gegenklang als eine der terzverwandten Ersatzfunktionen der Tonika geführt. Er tritt vor allem in trugschlussartigen Wendungen und in der spätromantischen Harmonik auf, wo terzverwandte Klänge anstelle klassischer Kadenzschritte eingesetzt werden.
Abzugrenzen ist der Leittonwechselklang von der einfachen Tonikaparallele, bei der zwei Töne gemeinsam bleiben und nur ein Ton um eine ganze Terz versetzt ist, sowie vom Gegenklang, der mit der Tonika ebenfalls zwei Töne teilt, aber auf der anderen Seite abweicht.
Spielpraxis
Spiele die Tonika und den Leittonwechselklang unmittelbar nacheinander und höre gezielt, welcher einzelne Ton sich verändert. So entwickelst du ein Gehör für die enge Verwandtschaft terzverwandter Klänge, die in der Analyse spätromantischer Musik häufig gebraucht wird.