Lento
Langsam, ruhig.
Was es bedeutet
Lento heißt schlicht „langsam" und ist unter den langsamen Tempowörtern das sachlichste. Während Largo die Breite, Adagio die Muße und Grave die Schwere mitmeint, benennt Lento allein die Geschwindigkeit. Als Richtwert werden häufig etwa 45 bis 60 Schläge pro Minute genannt; die Angaben unterscheiden sich je nach Ausgabe deutlich.
Gerade weil das Wort keinen Charakter vorgibt, tritt es besonders oft mit Zusätzen auf: Lento e cantabile, Lento espressivo, Lento ma non troppo. Diese Zusätze tragen dann die eigentliche Aussage über den Ausdruck. Lentissimo ist die Steigerungsform. Im Verhältnis zu Adagio wird Lento meist als gleich langsam oder etwas langsamer eingestuft, doch die Reihenfolge der langsamen Tempowörter ist nicht einheitlich festgelegt.
Im Notenbild
Die Angabe steht über dem ersten System eines Satzes oder Abschnitts und kann zum Satznamen werden. Sie erscheint auch mitten im Stück, wenn ein Abschnitt in ein langsames Tempo übergeht. Metronomzahlen daneben stammen häufig vom Herausgeber und sind als Richtwert zu verstehen.
Musikalische Verwendung
Lento überschreibt langsame Sätze und Abschnitte aller Art. Besonders verbreitet ist es in der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts, in der es das ältere Adagio vielfach ablöst. Auch in Charakterstücken, in der Klavierliteratur und in Bearbeitungen von Volksliedern steht es häufig, weil es ohne stilistische Festlegung auskommt. In mehrteiligen Sätzen markiert es oft den ruhigen Gegenteil zu einem raschen Abschnitt.
Lento wird oft etwas langsamer als adagio verstanden. ## Spielpraxis
Zähle in Unterteilungen, damit der Puls zwischen den Schlägen nicht verloren geht, und orientiere dich dabei an den kleinsten Notenwerten des Satzes. Plane Atem und Bogeneinteilung, bevor du beginnst. Lies den Zusatz genau — bei Lento sagt er mehr über den Vortrag aus als das Tempowort selbst. Und halte die Begleitung gleichmäßig und leise: In langsamen Tempi wird jede Unregelmäßigkeit hörbar, weil der Hörer Zeit hat, hinzuhören.