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Theorie

Melodik

Lehre vom Melodiebau.

Was es bedeutet

Melodik bezeichnet die Lehre vom Bau der Melodie und zugleich die melodische Beschaffenheit einer bestimmten Musik — man spricht von der Melodik eines Komponisten oder eines Stils. Sie steht neben Harmonik und Rhythmik als eine der drei Grunddimensionen, in denen ein Satz beschrieben wird.

Musikalische Verwendung

Untersucht werden vor allem vier Gesichtspunkte. Erstens die Bewegungsart: das Verhältnis von Schritt und Sprung, das über Sanglichkeit und Kontur entscheidet. Zweitens der Umfang und die Lage der Höhepunkte — wo der Spitzenton steht und wie die Linie zu ihm hin- und von ihm wegführt. Drittens die Gliederung in Motive und Phrasen und deren Verhältnis zueinander: Wiederholung, Sequenz, Kontrast, Frage und Antwort. Viertens die rhythmische Gestalt, ohne die eine Tonfolge keine Melodie ergibt.

Historisch sind die Ideale verschieden. Der einstimmige liturgische Gesang bevorzugt Schrittbewegung in engem Rahmen; die Vokalpolyphonie der Renaissance folgt Regeln der Sanglichkeit, die Sprünge begrenzen und ausgleichen; die Instrumentalmusik des Barock entwickelt weit gespannte, aus Dreiklängen gebildete Linien; die Wiener Klassik baut symmetrische Perioden; die Romantik dehnt und verschleiert diese Gliederung; das 20. Jahrhundert stellt sie vielfach ganz infrage.

Abzugrenzen ist die Melodik von der Motivik, die kleinere Bausteine und ihre Verarbeitung betrachtet, und von der Phrasierung, die die praktische Gliederung im Vortrag meint.

Die Melodielehre untersucht Melodien unter Gesichtspunkten wie Ambitus, Kontur, Schrittverhältnis, Motivbildung und Beziehung zur Harmonik. In der Musik verschiedener Epochen und Kulturen gelten unterschiedliche Ideale: Der Gregorianische Choral bewegt sich überwiegend schrittweise, während instrumentale Melodik oft sprunghafter ist. ## Spielpraxis

Untersuche eine Melodie, bevor du sie gestaltest: Wo liegt der Höhepunkt, wo gliedert sie sich, was wiederholt sich? Die Antworten bestimmen Dynamik und Atmung mehr als eingetragene Angaben. Singe die Linie und übernimm, was beim Singen von selbst geschieht. Und widerstehe der Neigung, jede Note gleich wichtig zu nehmen — eine Melodie hat Haupt- und Nebentöne.