Konjunkt
Konjunkt nennt man eine Melodie, die sich überwiegend in Sekundschritten bewegt, also von Nachbarton zu Nachbarton. In der älteren Tetrachordlehre hat das Wort eine zweite Bedeutung: Zwei Viertongruppen sind konjunkt, wenn sie einen Ton gemeinsam haben.
- Bedeutung 1
- Melodie in Sekundschritten
- Bedeutung 2
- Tetrachorde, die einen Ton teilen
- Gegenstück
- disjunkt
- Typisch für
- Choräle, Kinderlieder, Tonleiterläufe
Zwei Bedeutungen, ein Grundgedanke
„Konjunkt“ stammt vom lateinischen Wort für „verbunden“. Im Alltag der Melodielehre meint es stufenweise Verbindung: Ein Ton schließt an den nächsten an, ohne eine Lücke zu lassen. Der Baustein Melodie beschreibt diese Bewegung als die weiche, sangliche, die Kinderlieder und Choräle prägt und leicht zu singen ist. Das Gegenstück, die Sprungbewegung, steht unter disjunkt.
Konjunkte Melodie
Jeder Ton liegt direkt neben dem vorigen. Die Linie steigt in drei Schritten auf und kehrt in drei Schritten zurück, ohne ein einziges Mal zu springen.
Zwei Tetrachorde, disjunkt verbunden (C-Dur)
c–f und g–c sind zwei gleich gebaute Viertongruppen (Ganzton, Ganzton, Halbton). Zwischen f und g liegt ein Ganzton, die Gruppen sind also getrennt, griechisch „diezeugmenon“. Das Ergebnis ist die Dur-Tonleiter.
Zwei Tetrachorde, konjunkt verbunden
Hier teilen sich die beiden Gruppen den Ton f: c–f und f–b. Er gehört zu beiden. Dieser Aufbau braucht ein b, der Tonvorrat entspricht der Tonleiter C-Mixolydisch.
Die zweite Bedeutung: Tetrachorde
Die griechische Musiklehre baute ihre Tonleitern aus Tetrachorden, Viertongruppen im Umfang einer reinen Quarte. Das gebräuchliche Muster ist Ganzton, Ganzton, Halbton. Zwei solche Gruppen lassen sich auf zwei Arten verbinden: konjunkt, wenn sie einen Ton teilen, und disjunkt, wenn zwischen ihnen ein Ganzton Abstand liegt. Die Dur-Tonleiter ist deshalb nichts anderes als zwei gleich gebaute Tetrachorde mit einem Ganzton dazwischen. Das zweite Notenbeispiel zeigt genau das.
Dieselbe Idee steckt hinter der Frage, wie eine Quarte gefüllt wird. Die beiden Verbindungsarten ergeben unterschiedliche Tonvorräte, und wer sie nebeneinanderlegt, hört, warum das konjunkte Beispiel mit dem b nach C-Mixolydisch klingt und nicht nach Dur. Die Abstände unter den Noten zählen wie auf den anderen Seiten: 1 steht für einen Ganzton, ½ für einen Halbton.
Häufige Fehler
- Beide Bedeutungen vermischen: Eine konjunkte Melodie ist nicht dasselbe wie konjunkte Tetrachorde, auch wenn beide Male „verbunden“ gemeint ist. Welche Bedeutung gilt, zeigt der Zusatz „Melodie“ oder „Tetrachord“.
- „Konjunkt“ mit „gebunden“ verwechseln: Gemeint ist die Tonhöhe, nicht der Bogen im Notenbild.
- Das gemeinsame f doppelt zählen: Zwei Tetrachorde mit gemeinsamem Ton ergeben sieben Töne, bei disjunkter Verbindung acht.
Weiter auf Maikstrings
Verwandte Begriffe
DisjunktTonleiterSekundeIntervallMelodieDur-TonleiterHalbtonMixolydisch
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
← Zurück zum Glossar