Modal Jazz
Jazz, der über lange Abschnitte auf Modi statt auf schnellen Akkordwechseln improvisiert (Miles Davis, „Kind of Blue“).
Was es bedeutet
Modal Jazz ist eine Richtung des Jazz, in der über lange Abschnitte auf einer einzigen Tonleiter, einem Modus, improvisiert wird, statt auf schnell wechselnden Akkorden wie im Bebop. Die Harmonie bleibt lange stehen, oft über acht oder sechzehn Takte. Dadurch entsteht mehr Raum für Melodie und Klangfarbe, und der Klang wirkt ruhiger und offener.
Musikalische Verwendung
Als Beginn gilt das Ende der 1950er Jahre. Miles Davis nahm 1959 das Album „Kind of Blue“ auf, das den modalen Ansatz berühmt machte. In „So What“ wechselt die Improvisation zwischen zwei dorischen Modi. Wichtige Anregungen kamen von dem Theoretiker George Russell mit seinem Lydian Chromatic Concept. John Coltrane entwickelte den Ansatz weiter, etwa in „Impressions“.
Abzugrenzen ist der Modal Jazz vom Bebop und vom Hardbop, deren Improvisation auf dichten Akkordfolgen beruht. Auch der Free Jazz löst sich von festen Akkorden, verzichtet aber oft ganz auf ein tonales Zentrum.
Spielpraxis
Wenn du modal improvisierst, lerne zuerst den Modus gründlich kennen, zum Beispiel D-Dorisch. Erkunde seinen Charakter mit Motiven, Pausen und Rhythmen, statt schnelle Läufe abzuspulen. Das Fehlen der Akkordwechsel verlangt bewusste Gestaltung und Spannungsbögen.