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Harmonik

Pandiatonik

Freie Verwendung diatonischer Töne ohne Funktionalität.

Was es bedeutet

Pandiatonik bezeichnet einen Umgang mit der diatonischen Tonleiter, bei dem ihre Töne frei miteinander kombiniert werden, ohne den Regeln der funktionalen Harmonik zu folgen. Die Musik bleibt vollständig leitereigen — es gibt keine Chromatik —, doch die Klänge werden nicht nach dem Prinzip von Spannung und Auflösung verbunden. Dissonanzen wie Sekunden oder Septimen stehen, ohne aufgelöst zu werden.

Musikalische Verwendung

Der Begriff wurde im 20. Jahrhundert geprägt, um eine Klanglichkeit zu beschreiben, die sich der Chromatik der Spätromantik bewusst entgegenstellt. Statt die Tonalität durch immer mehr leiterfremde Töne zu dehnen, kehrt die Pandiatonik zu einem schlichten Tonvorrat zurück, löst diesen aber aus den gewohnten Bindungen. Das Ergebnis klingt oft hell, offen und klar, zugleich aber ungewohnt, weil die erwartete Zielrichtung fehlt.

Typische Merkmale sind geschichtete Klänge mit hinzugefügten Tönen, Akkorde, die mehrere Funktionen zugleich enthalten, und Schlüsse, die auf einem erweiterten Klang stehen bleiben. Die Tonika bleibt meist als Bezugspunkt erhalten, wird aber nicht durch Kadenzen bestätigt, sondern durch Wiederholung und Gewicht.

Verwandte Erscheinungen finden sich in der Filmmusik und in der populären Musik, wo leitereigene Klänge mit hinzugefügten Tönen als Farbe verwendet werden.

Abzugrenzen ist die Pandiatonik vom Cluster, der ebenfalls dichte Zusammenklänge bildet, aber nicht auf die Tonleiter beschränkt ist, und von der Quartenharmonik, die Klänge nach einem bestimmten Intervall schichtet.

Der Begriff wurde vom Musikwissenschaftler Nicolas Slonimsky geprägt. Pandiatonische Musik verwendet nur die Töne einer diatonischen Leiter, stellt sie aber frei zusammen, sodass Akkorde aus Sekunden, Quarten und Septimen entstehen, die nicht funktional aufgelöst werden. Man findet diese Technik bei Strawinsky, Copland und in vielen Werken des Neoklassizismus. ## Spielpraxis

Behandle Dissonanzen in pandiatonischer Musik als Farbe, nicht als Spannung — sie wollen nicht aufgelöst werden. Achte auf Balance und Lage, denn bei dichten Klängen entscheidet die Verteilung über die Klarheit. Und phrasiere nicht auf Kadenzen hin, die die Musik nicht vorsieht.