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Harmonik

Pandiatonik

Pandiatonik bezeichnet den freien Gebrauch aller sieben Töne einer diatonischen Tonleiter, ohne dass Akkorde und Töne nach den Regeln der Funktionsharmonik aufeinander bezogen werden. Es bleibt bei den Tönen der Leiter, aber die Folge der Akkorde folgt keinem Kadenzmodell.

Tonvorrat
nur die sieben Töne einer diatonischen Leiter
Harmonik
ohne Funktionsbindung, keine Kadenzlogik
Klang
offen, hell, ohne Leitton-Spannung
Zeit
20. Jahrhundert

Die Töne ohne die Regeln

In der funktionalen Harmonik hat jeder Akkord seine Aufgabe: Er bereitet vor, spannt oder löst. Die Folge Dominante–Tonika ist das Muster. Die Pandiatonik übernimmt von der Tonart nur den Tonvorrat und verzichtet auf diese Logik. Jeder Akkord aus Tönen der Leiter darf neben jedem stehen, ohne dass einer den anderen erwartet. Das Ergebnis klingt offen und hell, weil die Spannung zwischen Leitton und Grundton fehlt.

Klänge nur aus weißen Tasten: Terzschichtungen und Sus-Klänge

Vier Klänge, nur mit weißen Tasten: C mit hinzugefügter None, ein Klang aus Sekunde und Quarte (f–g–c), a-Moll mit Septime und None und G mit Quarte statt Terz (g–c–d). Keiner löst sich in den nächsten auf, jeder bleibt für sich stehen.

Als Melodie: das Material der Leiter

c d e g a h g e d c

Die Melodie bewegt sich frei durch sechs der sieben Töne der C-Dur-Leiter; das f bleibt hier ausgespart. Das h wirkt nicht als Leitton, der nach c zieht, sondern als freier Ton.

Im Glossar: Leitereigen · Funktionstheorie · Impressionismus

Hören

C(add9)F(sus2)Am(9)G(sus4)

Wer die vier Klänge hört, spürt keine Richtung: C(add9) drängt nirgendwohin, F(sus2) und G(sus4) enthalten keine Terz, die über Dur oder Moll entscheiden würde. Diese terzlosen Klänge, etwa der Vorhaltsakkord, gehören zu den typischen Mitteln der Pandiatonik.

Abgrenzung

  • Funktionsharmonik: Ihre Akkorde hängen aufeinander. Die Pandiatonik verzichtet darauf.
  • Modalität: Auch modale Musik nutzt die Leiter frei, bindet aber alles an einen Schlusston (die Finalis). In der Pandiatonik kann ebenfalls ein Zentralton bestehen; er entsteht aber nicht durch die Folge der Akkorde, sondern durch Betonung und Wiederholung.
  • Atonalität: Pandiatonische Musik bleibt bei den Tönen einer Tonleiter. Atonale Musik verwendet alle zwölf Töne ohne tonales Zentrum.

Die Pandiatonik findet sich in der Musik des 20. Jahrhunderts, etwa bei Strawinsky und Copland.

Zum Üben: Setze dich ans Klavier und nutze nur die weißen Tasten. Spiele frei Klänge aus drei bis vier Tönen und lass jeden Klang ausklingen, ohne ihn aufzulösen. Notiere, welche Folge dir besonders offen erscheint.