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Harmonik

Querstand

Ein Querstand liegt vor, wenn zwei Töne gleichen Namens, aber verschiedener Erhöhung oder Erniedrigung, kurz nacheinander in verschiedenen Stimmen erscheinen, etwa ein c in der einen und ein cis in der anderen. Die Satzlehre vermeidet ihn oft, in der englischen Musik des 16. und 17. Jahrhunderts ist er aber ein gezielt genutzter Ausdruck.

Merkmal
chromatischer Widerspruch zwischen zwei Stimmen
Beispiel
cis in der Oberstimme, c in der Unterstimme
Englisch
false relation / cross-relation
Wirkung
scharf, oft ausdrucksvoll

Ein Ton, zwei Gesichter

Ein Querstand entsteht, wenn zwei Töne gleichen Namens, von denen einer chromatisch verändert ist, kurz nacheinander in verschiedenen Stimmen auftreten. Der klassische Fall ist der Wechsel zwischen cis in einer und c in einer anderen Stimme. Weil beide Töne denselben Stammton haben, c und cis, wirkt der Wechsel scharf, wie ein Widerspruch, den die Stimmen nicht untereinander ausgleichen.

Querstand: cis oben, c in der Unterstimme

4 4

Im ersten Akkord (A-Dur) liegt das cis in der Oberstimme. Im folgenden Akkord (C-Dur) erscheint das c, aber in der Unterstimme (c4 unten). Die Stimmen widersprechen einander: Das ist der Querstand. Der zweite Akkord steht in weiter Lage, damit die Stimmen nicht parallel laufen.

Entschärft: derselbe Ton wechselt in derselben Stimme

4 4

Wechselt dagegen die Oberstimme selbst von cis nach c, ist es eine chromatische Veränderung und kein Querstand. Das Ohr hört einen einzigen Stimmverlauf.

Im Glossar: Chromatik · Leitton · Alteration

Meiden oder ausnutzen

Die strenge Satzlehre vermeidet den Querstand, vor allem in dichten, mehrstimmigen Sätzen. Er entsteht oft dort, wo in Moll die siebte Stufe erhöht wird (Leitton), während eine andere Stimme gleichzeitig oder kurz zuvor die natürliche siebte Stufe hat. In der englischen Musik des 16. und 17. Jahrhunderts wird er dagegen gezielt als Ausdrucksmittel eingesetzt: Der Widerspruch gibt dem Klang Schärfe. Der Querstand ist daher ein Beispiel dafür, dass eine Regel der Satzlehre kein Naturgesetz ist, sondern eine Stilfrage.

So erkennt man ihn

Man prüft, ob ein Ton in einer Stimme chromatisch verändert wird, den die Nachbarstimme kurz vorher oder nachher in der unveränderten Form hatte. Bei der Analyse lohnt der Blick auf Akkordwechsel, bei denen sich Leittöne bilden: A-Dur nach C-Dur in unserem Beispiel, oder E-Dur gefolgt von einem Akkord mit natürlichem g.

Zum Üben: Spiele am Klavier die beiden Beispiele nacheinander. Höre zuerst, wie schroff der Wechsel cis – c in verschiedenen Stimmen klingt, und dann den Unterschied im zweiten Beispiel, in dem derselbe Ton in derselben Stimme chromatisch wechselt.