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Tonleiter

Authentische Tonart

Eine authentische Tonart ist eine Kirchentonart, deren Melodie von der Finalis, dem Schlusston, bis zur Oktave darüber reicht. Das Gegenstück ist die plagale Tonart, die eine Quarte unter und eine Quinte über der Finalis reicht.

Tonraum
Finalis bis zur Oktave darüber
Beispiele
dorisch, phrygisch, lydisch, mixolydisch
Gegenstück
plagale Tonart (hypodorisch usw.)
Finalis
Schlusston der Tonart

Der Tonraum entscheidet

Jede Kirchentonart hat einen Schlusston, die Finalis. Zwei Tonarten können dieselbe Finalis haben und doch verschieden sein, nämlich durch den Raum, in dem sich die Melodie bewegt, den Ambitus. Bei einer authentischen Tonart liegt dieser Raum über der Finalis: von der Finalis bis zur Oktave darüber. Die Melodie steigt also vom Schlusston aus und kehrt dorthin zurück. In der Lehre der acht Kirchentöne sind das die Modi 1, 3, 5 und 7: dorisch, phrygisch, lydisch und mixolydisch.

Dorisch (authentisch): d′ bis d″, Finalis d′

d e f g a h c d 1 ½ 1 1 1 ½ 1

Die Melodie bewegt sich von der Finalis d′ eine Oktave aufwärts. Erster und letzter Ton sind markiert.

Hypodorisch (plagal): a bis a′, Finalis d′

a h c d e f g a 1 ½ 1 1 ½ 1 1

Dieselbe Finalis d, aber der Tonraum liegt tiefer: eine Quarte unter und eine Quinte über der Finalis. Das markierte d′, die Finalis, ist der vierte Ton.

Authentisch und plagal

Zu jeder authentischen Tonart gehört eine plagale mit derselben Finalis. Sie liegt eine Quarte tiefer: Ihr Ambitus reicht von einer Quarte unter bis zu einer Quinte über der Finalis. Man erkennt sie am Vorsatz „hypo-“, der „unter“ bedeutet. Die Tabelle stellt beide zusammen. Der Unterschied ist weniger eine andere Tonleiter als eine andere Lage der Melodie: Die Tonleiter bleibt dieselbe, der Schwerpunkt verschiebt sich.

AuthentischFinalisPlagal
dorischdhypodorisch
phrygischehypophrygisch
lydischfhypolydisch
mixolydischghypomixolydisch

Warum das wichtig war

Im gregorianischen Choral entscheidet die Zuordnung zu einer Tonart über Ton und Ausdruck einer Melodie. Die Einteilung nach Finalis und Ambitus half, Gesänge zu ordnen und zu vergleichen. Für heutiges Spielen und Hören genügt die Faustregel: Steigt eine Melodie von ihrem Schlusston aus nach oben, ist sie authentisch, liegt sie darum herum, plagal.

Zum Üben: Singe zuerst die dorische Leiter von d′ bis d″ und dann den plagalen Raum von a bis a′ mit dem Schlusston d′ darin. Singe zu beiden eine kurze Melodie und höre, wie sich der Charakter ändert, obwohl der Schlusston derselbe bleibt.

Häufige Fehler

  • Die Tonart nur nach der Finalis bestimmen: Erst der Ambitus verrät authentisch oder plagal.
  • Authentisch mit „echt“ gleichsetzen: Der Begriff ordnet den Tonraum, er sagt nichts über Wert oder Alter.
  • Mit dem authentischen Schluss verwechseln: Das ist ein Kadenzbegriff der Harmonielehre, kein Tonartbegriff.