Dauer
Zeitliche Erstreckung eines Tones.
Was es bedeutet
Die Dauer ist eine der Grundeigenschaften des Tones, neben Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe. Sie bezeichnet, wie lange ein Ton erklingt. In der Notenschrift wird sie nicht absolut angegeben, sondern als Verhältnis: Die Notenwerte sagen, wie sich die Dauern zueinander verhalten, und erst die Tempoangabe verbindet dieses Verhältnis mit wirklicher Zeit.
Musikalische Verwendung
Zwischen notierter und klingender Dauer besteht ein Unterschied, der in der Praxis erheblich ist. Eine Viertelnote bezeichnet die Zeit bis zum nächsten Ereignis, nicht notwendig die Zeit, in der der Ton klingt: Artikulation entscheidet darüber, ob der Ton diesen Raum ausfüllt oder ihn nur zum Teil einnimmt. Staccato verkürzt, Legato füllt aus, Tenuto hält. Dazu verhalten sich Instrumente verschieden — ein Klavierton verklingt von selbst, ein Blasinstrument hält ihn gleich, eine Glocke klingt über die notierte Dauer hinaus nach.
Auf der Ebene größerer Zusammenhänge bestimmt die Dauer die rhythmische Gestalt und damit einen wesentlichen Teil des musikalischen Charakters: Dieselbe Tonfolge in anderen Werten ergibt eine andere Musik. In der Mensuralnotation war das Verhältnis der Werte zueinander veränderlich und musste durch Mensurzeichen festgelegt werden; das heutige System beruht durchgehend auf Halbierung.
Abzugrenzen ist die Dauer des einzelnen Tones vom Zeitmaß, das die Geschwindigkeit des Ablaufs betrifft, und von der Agogik, die kleine Dehnungen und Verkürzungen im Vortrag meint.
Neben Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe gilt die Dauer als einer der vier Grundparameter des Tons. In der seriellen Musik der 1950er Jahre wurde sie wie die übrigen Parameter in Reihen geordnet. In der Notation ist sie der am genauesten festgelegte Parameter: Notenwerte, Punkte, Bögen und Tempoangaben bestimmen sie. ## Spielpraxis
Achte darauf, lange Noten wirklich auszuhalten — sie werden fast immer zu kurz genommen, besonders vor einem Einsatz. Prüfe bei jeder Artikulationsangabe, wie viel der notierten Dauer tatsächlich klingen soll, und halte das innerhalb einer Passage einheitlich. Und übe Rhythmen getrennt von den Tonhöhen, indem du sie klopfst oder sprichst; die Dauer ist der Teil, der beim Lesen zuerst vernachlässigt wird.