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Theorie

Échappé

Wechselnote, die nicht zum Hauptton zurückkehrt.

Was es bedeutet

Die Échappé — das Wort heißt „entwischt" — ist ein akkordfremder Ton, der vom Hauptton aus schrittweise erreicht und anschließend in der Gegenrichtung angesprungen wird. Sie bewegt sich also zunächst ein Stück weg und kehrt nicht zurück, sondern springt über den Ausgangspunkt hinweg zum nächsten Akkordton. Charakteristisch ist diese Verbindung aus Schritt und folgendem Sprung in entgegengesetzter Richtung.

Im Notenbild

Erkennbar ist die Figur an drei Tönen: Akkordton, benachbarter akkordfremder Ton, dann ein Sprung — meist eine Terz — in die Gegenrichtung auf den nächsten Akkordton. Typischerweise steht die Échappé auf einem leichten Taktteil und ist kurz. Eine eigene Bezeichnung im Notentext trägt sie nicht; sie wird beim Analysieren bestimmt, nicht beim Lesen markiert.

Musikalische Verwendung

Ihre Wirkung ist die eines kleinen Ausweichens: Die Linie täuscht eine Bewegung an und nimmt dann einen anderen Weg. Besonders häufig begegnet die Figur in Kadenzformeln, wo die Oberstimme vor dem Schlusston kurz nach oben ausweicht, bevor sie in die Tonika fällt — eine Wendung, die in der Vokalmusik des 16. bis 18. Jahrhunderts fest zum Bestand gehört.

Abzugrenzen ist die Échappé von den benachbarten Bildungen, was ausschließlich über die Art des Erreichens und Verlassens geschieht: Die Durchgangsnote wird schrittweise erreicht und schrittweise in derselben Richtung verlassen. Die Wechselnote wird schrittweise erreicht und kehrt schrittweise zum Ausgangston zurück. Die Échappé wird schrittweise erreicht und mit einem Sprung in die Gegenrichtung verlassen. Der sogenannte Vorausnahme- oder Anticipationston nimmt dagegen einen Ton des folgenden Akkords vorweg.

Spielpraxis

Nimm die Échappé leicht und kurz — sie ist ein Ausweichen, kein Ziel, und gewinnt ihre Wirkung gerade daraus, dass sie beiläufig bleibt. Achte darauf, den folgenden Sprung nicht zu betonen, obwohl er auffällt; das Gewicht liegt auf dem Akkordton, auf dem die Figur endet. Beim Erarbeiten hilft es, die Stelle einmal ohne die Figur zu spielen, um die Grundlinie zu hören, und sie dann hinzuzufügen.