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Theorie

Harmonischer Dualismus

Musiktheoretisches Konzept, vor allem von Hugo Riemann geprägt, das Dur- und Mollklänge als spiegelbildlich verwandte Tongeschlechter auffasst.

Was es bedeutet

Der harmonische Dualismus ist ein musiktheoretisches Konzept, das Dur und Moll als spiegelbildlich verwandte Tongeschlechter auffasst. Der Durdreiklang gilt danach als Aufbau nach oben, aus der Obertonreihe abgeleitet, der Molldreiklang dagegen als Aufbau nach unten, aus einer gedachten Untertonreihe. Beide sind einander gegenübergestellt wie Bild und Spiegelbild.

Musikalische Verwendung

Das Konzept wurde im 19. Jahrhundert von Theoretikern wie Arthur von Oettingen entwickelt und vor allem durch Hugo Riemann bekannt, der es in seiner Funktionstheorie verwendete. Danach hat der Mollklang die Funktion eines „umgekehrten“ Durklangs, mit dem Grundton oben statt unten. Riemann leitete daraus die Funktionsbezeichnungen ab. Die Ableitung aus einer Untertonreihe ist physikalisch nicht haltbar, weil die Untertöne nicht als natürliche Schwingungen vorkommen, und wurde deshalb später verworfen.

Abzugrenzen ist der harmonische Dualismus von der Stufentheorie, die Akkorde allein nach der Tonleiter ordnet, und vom Ansatz, Moll aus der Obertonreihe abzuleiten. Er ist heute eher von historischem Interesse, hat aber die Begriffswelt der Funktionstheorie geprägt.

Spielpraxis

Wenn du mit der Funktionstheorie arbeitest, beachte, dass ihre Bezeichnungen für Moll auf diesem Dualismus beruhen. Wichtiger für die Praxis ist das Hörbild: Prüfe, wie Dur- und Mollakkorde als Spiegelung wirken, indem du denselben Grundton oder dieselbe Quinte in beide Richtungen aufbaust.