Zum Inhalt springen
Theorie

Liegeton

Ein Liegeton ist ein Ton, der länger ausgehalten wird, während sich andere Stimmen bewegen. Er kann in jeder Stimme stehen. Liegt er im Bass und ändert sich darüber die Harmonie, heißt er Orgelpunkt.

Merkmal
ein Ton bleibt, andere Stimmen bewegen sich
Lage
in jeder Stimme möglich: Bass, Mittelstimme, Oberstimme
Im Bass
Orgelpunkt
Als Klanggrund
Bordun

Ein Ton bleibt

Ein Liegeton ist zunächst nur das, was der Name sagt: ein Ton, der liegen bleibt. Er wird über mehrere Zählzeiten oder Takte gehalten, während sich die anderen Stimmen bewegen. Weil der Liegeton nicht mitzieht, ändert sich sein Verhältnis zu den anderen Stimmen ständig. Er ist mal Grundton, mal Quinte, mal Septime, mal eine Dissonanz, die erst später aufgelöst wird.

Liegeton in der Unterstimme: c bleibt, die Melodie wandert

4 4

Die untere Stimme hält drei Takte lang das c. Darüber ändert sich der Zusammenklang mit jedem Melodieton, der Basston selbst nicht. Im letzten Takt trifft die Melodie wieder auf das c, eine Oktave über dem Liegeton.

Liegeton in der Oberstimme: g bleibt, die untere Stimme geht

4 4

Hier hält die obere Stimme das g, und die untere läuft c–d–e–c. Das g klingt dabei mal als Quinte über dem c, mal als Quarte über dem d, mal als Terz über dem e und zuletzt wieder als Quinte.

Liegeton, Orgelpunkt und Bordun

Die drei Begriffe überschneiden sich, meinen aber nicht dasselbe. Liegeton ist der allgemeinste: ein gehaltener Ton in irgendeiner Stimme. Orgelpunkt nennt man den Liegeton im Bass, über dem die Harmonien wechseln. Meist ist es der Grundton oder die Dominante. Bordun bezeichnet einen Ton oder eine Quinte, die als gleichbleibender Klanggrund begleiten, etwa beim Dudelsack. Ein Liegeton in der Mittel- oder Oberstimme ist also weder Orgelpunkt noch Bordun, sondern einfach ein gehaltener Ton, wie im zweiten Beispiel.

Wozu man ihn setzt

Ein Liegeton hält den Satz zusammen: Er gibt dem Ohr einen festen Punkt, an dem sich die Bewegung der anderen Stimmen messen lässt. Zugleich erzeugt er Spannung, wenn die Stimmen dazu Klänge bilden, die nicht zu ihm passen, und Entspannung, wenn sie wieder zu ihm zurückfinden.

Zum Üben: Spiele das erste Beispiel am Klavier mit zwei Händen: Die linke Hand hält das c über drei Takte, die rechte spielt die Melodie. Höre bei jedem Melodieton auf den Zusammenklang mit dem c. Dann lass die rechte Hand das g halten und die linke c–d–e–c spielen und vergleiche, wie sich der Charakter ändert.

Häufige Fehler

  • Den Liegeton wiederholen statt halten: Wird er auf jeder Zählzeit neu angeschlagen, ist es ein wiederholter Ton und kein gehaltener.
  • Alle Zusammenklänge „richtig“ klingen lassen wollen: Ein Liegeton darf zeitweise reiben. Das gehört zu seiner Wirkung.
  • Liegeton und Haltebogen verwechseln: Der Haltebogen verlängert eine einzelne Note. Ein Liegeton beschreibt, was die Stimme im Satz tut.