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Theorie

Liegeton

Lang ausgehaltener, liegen bleibender Ton.

Was es bedeutet

Ein Liegeton ist ein Ton, der über längere Zeit gehalten wird, während sich die übrigen Stimmen bewegen. Er bildet damit einen festen Punkt in einem veränderlichen Gefüge. Je nach Lage und Funktion trägt er verschiedene Namen: Liegt er im Bass und bleibt während wechselnder Harmonien stehen, spricht man vom Orgelpunkt; liegt er in einer Mittel- oder Oberstimme, ist eher vom Liegeton oder vom ausgehaltenen Ton die Rede.

Im Notenbild

Geschrieben wird er als langer Notenwert oder als Folge gebundener Noten, oft über mehrere Takte hinweg. In Partituren ist er leicht zu übersehen, weil wenig Notentext an dieser Stelle steht; gerade deshalb lohnt beim Lesen die Aufmerksamkeit — was sich nicht bewegt, hält den Satz zusammen.

Musikalische Verwendung

Die Wirkung beruht auf dem Gegensatz zwischen Stillstand und Bewegung. Bleibt ein Ton liegen, während sich die Harmonie ändert, entstehen wechselnde Reibungen: Derselbe Ton ist einmal Akkordton, dann Dissonanz, dann wieder Akkordton. Auf diesem Prinzip beruhen der Orgelpunkt, der vor einem Schluss Spannung staut, und der Bordun, der einer ganzen Musik einen unverrückbaren Grund gibt. Auch der Vorhalt ist im Kern ein Liegeton: Eine Stimme bleibt, während die anderen weitergehen, und löst sich verspätet auf.

Im mehrstimmigen Satz älterer Prägung erfüllt der Cantus firmus eine ähnliche Rolle, indem er eine vorgegebene Melodie in großen Werten unter beweglichen Stimmen führt.

Liegetöne treten in vielen Gattungen auf: als Bordun in der Volksmusik, als Orgelpunkt im Bass, als gehaltene Mittelstimme in Orchestersätzen oder als Pad-Klang in elektronischer Musik. Sie schaffen einen ruhigen Hintergrund, vor dem sich andere Stimmen bewegen. Ein Liegeton in einer Oberstimme wird auch als Orgelpunkt in der Oberstimme bezeichnet. ## Spielpraxis

Halte einen Liegeton lebendig: Ein Ton, der einfach stehen bleibt, verliert Spannung und Intonation. Bei Bläsern und Streichern entscheidet die gleichmäßige Führung, bei Sängern die Stütze. Höre auf das, was um dich herum geschieht, und passe deine Intonation den wechselnden Harmonien an — derselbe Ton verlangt in verschiedenen Klängen geringfügig verschiedene Höhe. Und nimm dich dynamisch zurück, wenn die Bewegung bei anderen liegt.