Quart
Intervall von fünf Halbtönen.
Was es bedeutet
Die Quarte umfasst vier Tonleiterstufen; in ihrer reinen Form sind das fünf Halbtöne, mit dem Frequenzverhältnis 4:3. Sie ist das Komplementärintervall der Quinte — beide ergänzen einander zur Oktave. Neben der reinen Quarte gibt es die übermäßige mit sechs Halbtönen, die dem Tritonus entspricht, und die verminderte, die klanglich mit der großen Terz zusammenfällt.
Musikalische Verwendung
Die Quarte nimmt in der Satzlehre eine eigentümliche Stellung ein. Zwischen zwei Oberstimmen gilt sie als konsonant; über dem Bass dagegen wird sie als dissonant behandelt und verlangt Vorbereitung und Auflösung. Daraus erklärt sich, warum der Quartsextakkord — die zweite Umkehrung des Dreiklangs mit der Quinte im Bass — als klärungsbedürftig gilt und meist als Vorhalt vor der Dominante steht statt als selbständiger Klang.
Melodisch ist die Quarte ein kräftiger, gut singbarer Sprung mit signalhafter Wirkung; zahllose Fanfaren, Choralanfänge und Rufmotive beginnen mit ihr. Der Quartfall im Bass ist zugleich die geläufigste Kadenzbewegung — von der Dominante zur Tonika.
In der Musik des 20. Jahrhunderts wurde die Quarte zum Baustein einer eigenen Klangwelt: In der Quartenharmonik werden Akkorde aus geschichteten Quarten gebildet, die sich der terzgebundenen Ordnung entziehen und offener, unbestimmter klingen.
Die Quarte ist das Umkehrungsintervall der Quinte und entsteht zwischen dem dritten und vierten Teilton der Obertonreihe. Über dem Bass gilt sie in der traditionellen Satzlehre als Dissonanz, zwischen Oberstimmen als Konsonanz; daher die Sonderstellung des Quartsextakkords. Als melodischer Sprung ist die aufsteigende Quarte ein häufiger Beginn von Liedern und Hymnen. In der Musik des 20. Jahrhunderts und im Jazz dient sie als Baustein von Quartenakkorden. ## Spielpraxis
Singe die Quarte als Auftakt zu einem Zielton — in dieser Gestalt ist sie besonders leicht zu treffen. Intoniere die reine Quarte nach dem Verschwinden der Schwebungen, gemeinsam mit der Quinte, bevor du Terzen prüfst. Und behandle den Quartsextakkord nicht als beiläufigen Durchgangsklang; er verlangt eine Fortsetzung.