Rallentando
Allmählich langsamer werdend.
Was es bedeutet
Rallentando kommt vom italienischen rallentare, „verlangsamen", und verlangt, das Tempo nach und nach zurückzunehmen. Abgekürzt erscheint es als rall. Die Verlangsamung ist als Prozess gedacht: Sie beginnt dort, wo das Wort steht, und führt über mehrere Töne oder Takte zu einem deutlich langsameren Zeitmaß.
Die Abgrenzung zum nahezu bedeutungsgleichen ritardando (rit.) ist eine Frage der Tradition, nicht der Definition. Beide Wörter bezeichnen ein allmähliches Langsamerwerden, und viele Komponisten verwenden sie austauschbar. Wo überhaupt unterschieden wird, gilt ritardando eher als das gleichmäßige Zurückgehen des Pulses, rallentando eher als ein breiteres Auslaufen, das auch die Tongebung schwerer werden lässt. Verlässlich ist diese Unterscheidung nicht — entscheidend bleibt der musikalische Zusammenhang. Deutlich davon getrennt ist ritenuto: Dort wird das Tempo sofort zurückgenommen, nicht allmählich.
Im Notenbild
Das Wort oder die Abkürzung steht über dem System, kursiv, und gilt ab dieser Stelle. Reicht die Verlangsamung über eine längere Strecke, ziehen viele Ausgaben eine gestrichelte Linie oder eine Reihe von Bindestrichen bis zu ihrem Ende. Das Ende selbst wird durch a tempo, tempo primo oder eine neue Tempoangabe markiert; fehlt eine solche Angabe, endet die Wirkung spätestens mit dem Abschnitt.
Musikalische Verwendung
Rallentando steht überwiegend vor Abschnittsgrenzen: am Schluss eines Satzes, vor einer Fermate, vor dem Übergang in einen ruhigeren Teil. Es signalisiert dem Hörer, dass etwas zu Ende geht, und schafft Raum für die Schlusswendung. Im 19. Jahrhundert wird es zu einem der meistgebrauchten Ausdrucksmittel überhaupt und findet sich auch mitten in Phrasen, um einzelne Wendungen hervorzuheben. Wie stark verlangsamt wird, schreibt die Notation nicht vor; die Spanne reicht vom kaum merklichen Nachgeben bis zur Halbierung des Tempos.
Spielpraxis
Plane, wo das rallentando ankommen soll, bevor du es beginnst — sonst bist du zu früh zu langsam und musst die letzten Takte künstlich dehnen. Verteile die Verlangsamung gleichmäßig über die zur Verfügung stehenden Notenwerte und denke sie in Schritten: jeder Schlag ein wenig länger als der vorige. Im Ensemble richte dich nach der Stimme mit der kleinsten Notenbewegung, denn dort wird die Dehnung zuerst hörbar. Und lass die Töne dabei klingen: Ein rallentando, bei dem der Ton dünner wird, wirkt wie ein Steckenbleiben statt wie ein Ausatmen.