Pastorale
Die Pastorale ist ein Instrumentalstück mit ländlich-friedlichem Charakter, das an Hirtenmusik erinnert. Sie steht meist in einem Takt mit Dreiergruppen wie 6/8 oder 12/8, in mäßigem bis ruhigem Tempo, und hat oft lange liegende Basstöne unter der Melodie.
- Wort
- italienisch pastorale, „Hirten-“
- Takt
- meist 6/8 oder 12/8
- Tempo
- mäßig bis ruhig
- Bass
- Orgelpunkt, Bordun
Musik der Hirten
Das Wort kommt von italienisch „pastorale“, „Hirten-“, und geht auf lateinisch „pastoralis“ zurück. Die Pastorale ist ein Instrumentalstück im Sechsachteltakt, besonders für Schalmei- und Oboegruppen, außerdem ein kleines, ländlich-idyllisches Singspiel, ein musikalisches Schäferspiel. Als Gattung der Instrumentalmusik gehört sie vor allem zum Barock. Im engeren Sinn ist sie eine typische Weihnachtsmusik, im weiteren Sinn zählen auch Hirtentänze dazu.
Als Merkmale gelten ein Dreiertakt wie 6/8, 9/8 oder 12/8, ein mäßiges bis ruhiges Tempo und ein lieblich wiegender, aber heiterer Charakter. Lange Basstöne, also ein Orgelpunkt, spielen häufig auf die Bordunbässe der Hirteninstrumente Dudelsack oder Drehleier an, aber nicht immer und nicht durchgehend.
| La Pastorale | Danza Pastorale | |
|---|---|---|
| Komponist | Friedrich Burgmüller, op. 100 Nr. 3 | Antonio Vivaldi, „Der Frühling“, op. 8 Nr. 1, RV 269 |
| Besetzung | Klavier | Violinen, Viola, Orgel und Violoncello |
| Takt | 6/8 | 12/8 |
| Tempowort | Andantino | Allegro |
| Vorzeichnung | ein Kreuz | vier Kreuze |
| Bass | Akkordfigur: drei Achtel und eine punktierte Viertel je Takt | Viola und Bass halten lange, über Taktstriche gebundene Töne |
Zwei Stücke, zwei Wege
Beide Stücke tragen das Wort im Titel, und beide haben Dreiergruppen. Sonst unterscheiden sie sich: Burgmüllers Stück ist ein einfaches Klavierstück im 6/8-Takt mit der Tempoangabe Andantino. Vivaldis „Danza Pastorale“ steht im 12/8-Takt und ist mit „Allegro“ überschrieben. Dieser Satz gilt als kunstvoll stilisierter Hirtentanz, der Borduntöne und den triolischen Rhythmus der weihnachtlichen Pastorale übernimmt, aber im Tempo Allegro steht. Er ist der dritte, letzte Satz des Frühlingskonzerts.
6/8: Dreiergruppen in Melodie und Begleitung
Ein eigenes Beispiel: Die Begleitung spielt in den ersten beiden Takten dreimal einen Achtelakkord, dann einen Akkord als punktierte Viertel. So entstehen in jedem Takt zwei Dreiergruppen. Die Melodie folgt derselben Einteilung: punktierte Viertel, dann drei Achtel.
12/8 über einem gehaltenen Basston
Ein eigenes Beispiel: Der Bass hält c über drei Takte, die Haltebögen verbinden die Töne zu einem einzigen. Darüber stehen in den ersten beiden Takten vier Dreiergruppen je Takt; ein 12/8-Takt hat vier Gruppen zu je drei Achteln. Takt 3 schließt mit einer einzigen langen Note. Nur die Melodie bewegt sich, der Bass steht.
Klavier
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La Pastorale Friedrich Burgmüller, op. 100 Nr. 3 · Klavier · 1 Seite
Über dem Stück stehen der Titel „La Pastorale“, der Untertitel „Pastorale“ und „Andantino“. 6/8-Takt, ein Kreuz, p und kursiv „dolce cantabile“. Die Takte 1 und 2 spielt die rechte Hand allein, ab Takt 3 begleitet die linke Hand in jedem Takt mit drei Achtelakkorden und einem Akkord als punktierter Viertel. Wiederholungszeichen stehen vor Takt 3 und nach Takt 10; ab Takt 19 kehrt der Anfang wieder, im letzten Takt steht pp.
Streicher und Orgel
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Der Frühling: Danza Pastorale Antonio Vivaldi (1678–1741), op. 8 Nr. 1, RV 269 · Violinen, Viola, Orgel und Violoncello · Satzanfang auf Seite 14 von 23
Auf Seite 14 steht über dem Satz „Danza Pastorale“, 12/8-Takt, vier Kreuze. Die Solovioline trägt „Allegro“, die beiden Violinen darunter „Allegro con Sordine“. Viola und Bass halten zu Beginn lange Töne, die über die Taktstriche gebunden sind; die Violinen spielen punktierte Achtelfiguren darüber.
Wie du eine Pastorale erkennst
Zähle die Schläge. Ein Takt, der sich in Dreiergruppen teilt, ist ein erster Hinweis, ein liegender Ton im Bass der zweite. Die Taktangabe allein entscheidet aber nicht: Auch Gigue und Tarantella stehen im 6/8-Takt, wie die Seite zum Sechsachteltakt zeigt. Der Titel oder der Zusatz „pastorale“ auf dem Blatt gibt dir die Gewissheit.
Häufige Fehler
- Jedes 6/8-Stück für eine Pastorale halten: Der Takt ist ein Hinweis, kein Beweis. Auch Tänze wie die Gigue stehen in 6/8.
- Den langen Basston verkürzen: Er soll über den Taktstrich hinaus klingen; die Haltebögen im Notenbild zeigen, dass der Ton nicht neu angeschlagen wird.
- Alle Pastoralen langsam spielen: Vivaldis Satz trägt die Bezeichnung Allegro; ein mäßiges bis ruhiges Tempo ist typisch, aber keine Pflicht.
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Verwandte Begriffe
SechsachteltaktZwölfachteltaktBordunOrgelpunktDudelsackSicilianoBarockAndantinoDolceCantabileWiederholungszeichenCharakterstück
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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